In einem Boot?

Veröffentlicht 07/07/2014 von Miss Universe

Solange wir so leise sind, gibt es wahrscheinlich nicht einmal ein Gesetz, das unserem Tun entgegen stünde. Trotzdem hat es den kribbelnden Reiz des Verbotenen, mindestens des Ungewöhnlichen, zu dieser nächtlichen Stunde das Boot zu Wasser zu lassen. Wir arbeiten stumm und überraschend eingespielt, bis es hinein gleitet. Endlich einmal ist die Stadt still wie der Wasserspiegel in dieser Sommernacht. All das ist viel zu groß, um uns zu gehören, aber allein die Tatsache, dass sich hier und jetzt niemand anders darum bemüht, ist großartig und berauschend.

Rhythmisch entsteht das Geräusch, wenn die Paddel ins Wasser tauchen und durchziehen. Ich spüre, wie meine Muskeln anspannen, mein Körper warm wird, noch mehr als von der lauen Nachtluft schon. Ein feuchter Film entsteht auf meiner Haut. Ich kann hören und fühlen, wie wir gleichförmig und synchron arbeiten. Wir gleiten nur so dahin. Ich muss mich nicht umsehen, um zu wissen, dass es gut ist. Ich muss nicht wissen, wo es hingeht. Früh genug kann ich die angedeutete Kurve aufnehmen.

Schließlich bleibt mein Paddel allein, und auch ich ziehe es folgsam ein. Wir gleiten ans Ufer. Ich vertäue das Boot und muss mich nicht fragen, was als nächstes passiert. Als ich mich umwende, leuchten mir schon sein nackter Körper und fröhliches Grinsen entgegen. Ich ziehe mir das schon etwas festgeklebte Kleidchen über den Kopf und lächle zurück. Das Eintauchen unserer Körper ist leiser als das der Paddel. Und fast so leise ist der Übergang zwischen lauer Luft und warmem Wasser. Nur ein paar Grad beträgt der Unterschied, und die Dichte ist anders, dieses Gefühl von halber Schwerelosigkeit.

Ein paar Züge bringen uns zur Mitte des Teiches. Kühles Wasser streicht über meinen Rücken und nimmt den klebrigen Schweißfilm mit. Ich fühle mich nackt und rein. Wir treten ein wenig Wasser und versuchen das irgendwie aufzunehmen: die spiegelglatte Oberfläche, nur von unseren sich langsam ausbreitenden Kreisen gestört, das silberne Mondlicht, die weite Fläche bis zum Ufer, wo die Bäume stehen wie um eine Lichtung, die Stille einer warmen Sommernacht, die nie ganz ohne Töne ist, und dieses riesige sternenbesetzte Zelt über uns. Merkwürdig, wie man sich gleichzeitig so im Zentrum und so unwichtig fühlen kann.

Der Pseudorebell will teilen. Und weil er intuitiv klug genug ist, gar nicht erst nach Worten zu suchen, greift er nach mir. Wir paddeln gegeneinander und küssen uns. Dann schlagen wir heftiger und prusten lachend, weil man küssend zwangsläufig untergeht. Irgendwann stößt er mich ab Richtung Ufer und wir schwimmen zurück. Er überholt mich mit Leichtigkeit. Als er auf mich wartet, muss er schon Grund unter den Füßen haben, denn dieses Mal gehen wir nicht unter, nicht einmal als ich meine Beine um ihn schlinge, um nicht wieder abgetrieben zu werden.

Als ich nach einem Ast lange, um mich hinaus zu ziehen, greift er nach meinem Bein und hält mich dort hingestreckt an der Wasseroberfläche. Es dauert ein bisschen, bis ich verstehe, dass er einfach nur zusehen will, wie mein weißer Körper innerhalb weniger Zentimeter aus der völligen Dunkelheit des Wasser erst hell schemenhaft auftaucht und dann leuchtend und spritzend an die Luft platzt. Er will es wohl auch fühlen, denn plötzlich habe ich seine Hände überall. Noch klammern sich meine Hände an jenen Ast, aber mein Atem geht schwer.

Wir steigen an Land, nur um wieder ins Boot zu klettern. Es ist so warm, dass man sich nicht einmal abtrocknen muss. In silbernen Bahnen laufen die Tropfen am glatten Oberkörper des Pseudorebellen herunter. Ich schaue ihn noch immer sprach- und planlos an in seiner Marmorschönheit, wohl wissend, dass dieser Moment zuende gehen wird. Er setzt sich und lehnt sich ein Stück zurück mit den Unterarmen auf dem Bootsrumpf. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es bequem ist, aber ich weiß, dass es eine Einladung ist.

Einen Moment lang bleibe ich über ihm stehen und stelle mir vor, wie ich für ihn den Vollmond verdunkle. Dann komme ich langsam herunter. Als ich nach seinem Schwanz greife, spüre ich, dass ich mir das beinahe hätte sparen können. Er ist hart und steil aufgerichtet, und als ich nur einmal darüber streiche, schließt der Pseudorebell schon seufzend die Augen. Ich nehme also Platz und freue mich, zunächst einmal still, an der Nacht, meinem Spielkameraden und dem sinnlos guten Gefühl, dass diese Vereinigung in mir auslöst.

Dann geraten wir langsam und vorsichtig in Bewegung. Das Boot scheint jeden Schub aufzunehmen, das Wasser zu reflektieren. Wir schaukeln fröhlich, und nur seitwärts scheint es gefährlich. Der Pseudorebell grinst, um mich zu ermuntern. Ich kann mich am Bootsrand abstützen und herrlich im perfekten Winkel an ihm auf und ab rutschen. Unser Gefährt geht mit, und bald breitet sich unsere Bewegung in konzentrischen Wellen um uns herum aus. Wahrscheinlich bin ich schon laut, aber wir teilen ohnehin gerade unsere wachsende Begeisterung mit dem Universum.

Schließlich schlagen die Wellen zurück. Während ich unser Boot nach unten reite, wirft uns ein Rückläufer einer früheren Welle wieder nach oben. Irgendwie ergibt sich auch daraus ein Rhythmus, sogar ohne Unterstützung des Pseudorebellen, der sich weiterhin festhalten muss. Ich mache es mir ganz allein da oben und grinse erst im letzten Moment mit überquellenden Augen hinunter. Zu meiner Verwunderung sehe ich zuerst in seinen Augen, dass auch er jetzt kommt. Schön.

Dann muss ich wohl zu einem späteren Zeitpunkt sein glitzerndes Sperma von meinem Körper waschen. Fürs erste lege ich mich auf seine fast getrocknete Brust, lausche auf seinen Atem, das Univsersum und mein Glück und kann es in diesem Moment ganz gut ertragen.

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