Tiefgarage im Galaxiennebel

Veröffentlicht 05/06/2014 von Miss Universe

Dieses Mal bedrängt mich der Kuss nicht. Er ist mir nicht zu viel, kein Angriff auf meine Autarkie, kein allzu selbstverständlicher Übergriff. Dieses Mal küsst er mich. Und mein Ich ist ausnahmsweise fokussiert; an einem Ort, in einem Körper, in einer Rolle, die sich nach mir anfühlt. Dieses Mal küsse ich mit und muss nicht darüber nachdenken, was ich damit meine.

Für einen Moment ist es ein Austausch von Zärtlichkeit. In dem Augenblick, in dem ich ganz dort angekommen bin, entsteht die Lust auf mehr. Ich atme die warme Haut unter meiner Nase. Meine Arme greifen so weit sie können, um den Pseudorebellen herum und versuchen ihn näher zu ziehen. Sein Becken beginnt, gegen meinen Unterleib zu kreisen. Ich habe auf eine schöne Art Lust, seltsamerweise ganz ohne Gier und Hast. Ich will nur immer mehr berühren. Ich singe beinahe vor mich hin vor genüsslicher Freude, und wenn ich die Augen öffne, lächelt er mich an.

Ich küsse seine Brust, und wieder habe ich sofort auch Lust, seinen Schwanz zu küssen. Eine Sekunde komme ich auf die unsinnige Idee, das könnte enden wie beim letzten Mal. Dann fällt mir auf, dass das Quatsch ist, und ich bücke mich. Wie so manchmal korreliert der tiefstmögliche Punkt mit dem schönstmöglichen Geräusch. Als ich den Kopf wieder hebe, muss ich seine Hand von meinem krampfenden Kehlkopf schieben. Ich will immer noch mehr.

Er schiebt mir die Finger zwischen die Beine, und erfreulicherweise erkennt er, dass ich mehr als bereit bin. Wenn ich noch einen Willen habe, dann diesen. Er kommt zu mir – und hält erst einmal still. Es ist einer dieser Momente mit umgekehrtem Urknall. Das Universum stürzt in sich zusammen und konzentriert sich auf diesen einen Punkt. Alles andere verschwindet in völliger Dunkelheit. Nur unsere Geschlechter pulsieren in strahlender Energie. Ich bin angenehm ausgelöscht. Ich bin ganz und gar. Hier. Jetzt. Da.

Wahrscheinlich stehe ich noch immer auf meinen Beinen und irgendwo um mich herum existiert eine Tiefgarage, in der sich nichtsahnend Menschen zu ihren Autos bewegen. Aber all das fühlt sich an wie eine Parallelwelt. Das eigentliche Zentrum ist dieses alles umfassende Gefühl, das ich halb stöhne, halb lache, halb weine, weil mir die geeignete Äußerung fehlt, von Worten ganz zu schweigen. Irgendwann hält er mich erneut still. Noch einmal durchspült mich das Gefühl einer einstürzenden Galaxie. Würde es mich jetzt mitreißen und für immer vernichten, hätte ich keine Einwände. Es ist das ganze Leben und ich habe es gesehen. Ich bin weg.

Vielleicht sacke ich tatsächlich langsam in mich zusammen. Jedenfalls packt er meine Schulter und bringt mich entschlossen wieder in Schwung. Bis er seinerseits ersterbend mit der Stirn auf meinen Rücken sinkt. Ich drehe mich um und habe dieses Geschöpf vor mir. Aus eins wird wieder zwei. Und diesem Anderen will ich mitteilen, wie glücklich es mich macht, das mit ihm teilen zu können. Meine Hände streichen und greifen, armen und pressen, schieben und halten im beredten Wunsch ihn wissen zu lassen, wie dankbar und froh ich bin. Wieder erzählt mir sein Lachen, dass er zumindest in etwa versteht.

Noch ehe ich ahne, wie mir geschieht, hat er meine gestenreichen Bekundungen durch die uralte bekannte Erzählung seiner Hände und Lippen erlahmen lassen. Ich überantworte mich den wissenden Berührungen, die plötzlich einen beinahe heimatlichen Klang haben. Sie geleiten mich spielend auf einen Höhepunkt, den ich vor lauter galaktischen Implosionen gar nicht hatte kommen sehen.

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