Notizen aus der Mittagspause 11 1/2

Veröffentlicht 18/05/2014 von Miss Universe

Wir hatten ein Gespräch. Das ist schon eine Nachricht, denn es war nicht das Übliche, das beim Pseudorebell immer so klingt: „Wir reden ein bisschen.“ Noch dazu ging es um uns. Es ging sogar um Gefühle. Es half nicht einmal feixend anzumerken, dass wir jetzt schon Beziehungsgespräche führen anstatt zu ficken. Das ganze während der Mittagspause anzufangen, war dem Drang geschuldet, es lieber mündlich zu klären und nicht weiter schwelen zu lassen.

Am Ende sind wir beide etwas aufgewühlt. Mir liegt nichts ferner als Sex in diesem Moment, und ich glaube, nicht einmal der Pseudorebell hat jetzt dieses Eine im Sinn. Trotzdem richten sich unsere Schritte automatisch in Richtung Tiefgarage. Es ist eine Mischung aus Gewohnheit und dem Bedürfnis einander nicht zu lassen, zumindest bei mir. Wir stapfen nebeneinander her, die paar Meter geben uns etwas mehr Gelassenheit. Und als wir in die Nische biegen, weiß ich, dass wir es tun werden. Undeutlich empfinde ich Bewunderung für den Pseudorebell, der so umschalten kann.

Was ich jetzt erwarte, ist so eine Art Versöhnungssex, obwohl wir uns nicht in dem Sinne gestritten haben. Ich habe den dringenden Wunsch, die Ernsthaftigkeit und das Unangenehme mit einem Übermaß an Zärtlichkeit auszulöschen. Ich will, dass unsere Körper sich einander versichern, wie wir es redend nie könnten. Vorauseilend ziehe ich mir die Bluse über den Kopf und stelle mich mit dem Rücken zur Wand. Er steht mir gegenüber und der Zug um die Mundwinkel ist ein wenig zu hart, als er wohl eher rhethorisch fragt: „Was fange ich denn jetzt mit dir an?“

„Anfassen“, sage ich beinahe bittend. Seine Hände packen meinen Brustkorb. Sie sind so verdammt groß, dass sogar mein gesamter Oberkörper darin klein und zerbrechlich wirkt. Einerseits hält er sich mich vom Leib, andererseits greift er mir an den Hals, weil es der einfachste Weg ist mich zu kontrollieren und mir gleichzeitig meine Unterlegenheit überdeutlich aufzuzeigen. Ich stehe da mit meinem Wunsch nach Liebe, der augenblicklich zurücktritt, als ich spüre, dass ich in seiner Hand bin.

Er hält mich gepackt. Es gibt keinen Kuss, es gibt kein Streicheln. Stattdessen, dreht er mich wortlos und drückt meinen Rücken nach unten, so dass ich gebückt vor ihm stehe. Ich habe die gesamte Vorgeschichte vergessen. Ich bin nur noch ein Häufchen Opfer in seinen Fingern. Aber ein verflucht geiles Opfer. Die Szene hat keine 90 Sekunden (sic!) gedauert, trotzdem bin ich nass. Dass er nicht einmal ganz hart ist, hindert ihn nicht daran, sich unsanft in mich zu drängen.

Er fickt mich, während ich in dieser Position sowieso nichts tun kann. Er tut es herrlich kräftig. Mein Stöhnen rutscht in fistelige Höhen. Ich will ein bisschen leiden und auch, dass es so klingt. Wenn er jetzt nach meiner Brust greift, kann ich mir einbilden, dass es nichts mit meiner erogenen Zone zu tun hat, sondern nur seiner eigenen Geilheit auf Titten entspringt. Ich stehe so fantastisch darauf, auf diese Weise benutzt zu werden.

Er kommt und ich langsam wieder auf den Boden der Tatsachen. Seine linke Hand ruht noch ein wenig auf meiner Hüfte und versichert mir den richtigen Rahmen für dieses Missbrauchsszenario. Meine Hochachtung steigt ins Unermessliche. Wie schafft er es, mich nach so einer Vorgeschichte noch zu überraschen? Woher nimmt er die Sicherheit, dass er nach einem Gespräch unter Gleichen unfallfrei einen solchen Erdrutsch der Autonomie veranstalten kann? Und es auch noch gut wird?!

Wie immer, wenn mich seine Stärke überrascht, steigen mir die Tränen in die Augen. Er sieht’s, versteht, dass es in Ordnung ist, und küsst mich jetzt doch noch. Und morgen will ich es zärtlich!

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