Be my Girl

Veröffentlicht 03/04/2014 von Miss Universe

Er sitzt da auf der Pritsche im hübschen roten Sommerkleid – und sieht aus wie immer. Der bauschige Stoff kann ihm nichts anhaben. Der Eindruck, den der tiefe Ausschnitt schinden möchte, wird von seiner körperlichen Selbstsicherheit übertönt. Vor mir sitzt nichts Feminines, nicht einmal ein Kerl in Frauenkleidern, sondern lediglich der Pseudorebell in einem ungewohnten Aufzug. Ich möchte aber ein Mädchen.

Er bleibt sitzen, während ich heran trete. „Du hast aber eine reine Haut“, streiche ich über seine frisch rasierte Wange. „Wie pflegst du denn die?“ Wie gerne mal, kommt keine spontane Antwort. „Was? Gar nicht? Das ist aber Kapital, das du dir erhalten solltest, Süße!“ Er schaut mich belustigt an. „Und wenn dir jemand Komplimente macht, dann ist nicht selbstgefälliges Grinsen angesagt, sondern schamhaftes Erröten, Kopf senken und Augen aufschlagen. Und dann brav bedanken. Wir probieren das noch einmal.“

Ich streiche erneut über seine Wange. „Ja! Siehst du, was du für ein bezauberndes Lächeln einsetzen kannst! Sehr gut. Aber lass uns größer beginnen: Spüre deinen Körper und den Raum, den er einnimmt. Das Hauptziel ist, damit möglichst wenig Platz zu beanspruchen. Die Füße immer nah beeinander, im Sitzen natürlich übergeschlagen. Und die Arme bleiben dicht am Körper, mindestens die Ellbogen in der Taille. Du bist verletzlich. Du traust dich auch nicht, mir die Stirn zu bieten und mich geradeaus anzuschauen. Das Köpfchen ist immer ein bisschen geneigt, und Du wirfst mir Blicke aus dem Augenwinkel zu.“

Ich weiß, dass das funktioniert. Wenn er mich von unten anschauen muss und dabei die blauen Augen aufschlägt, dann kitzelt das den Eroberer und Beschützer in mir. „Schon ganz anders“, lobe ich. „Die nächste wichtige Grundhaltung: Lächeln. Du willst, dass ich dich süß finde. Du willst, dass ich dir nichts tue.“ Natürlich kann er das. Es ist äußerst schön anzusehen. Aber diese Sorte beifallheischender Kulturtechnik liegt tatsächlich komplett außerhalb seines natürlichen Verhaltensrepertoires.

„Ja, hübsch! Sollen wir dich noch ein bisschen hübscher machen? Sieh mal, mit ein bisschen Makeup strahlt deine Haut noch glatter.“ Ich verstreiche Foundation auf dem mir brav entegegen gestreckten Gesicht. „Und diese hübschen Augen wollen wir auch betonen. Mach das mal selber.“ Ich drücke ihm einen Kajal in die Hand, mit Eyeliner wollen wir gar nicht erst anfangen. Es fehlt die selbstverständliche Anmut einer Frau, die das schon tausende Male getan hat. Aber er konzentriert sich so liebevoll auf die filigrane Arbeit, dass mich eine seltsame Zärtlichkeit für das sich herausputzende Geschöpf überkommt.

Still reiche ich ihm Mascara. Dabei hat er wohl oft genug zugesehen. „Uh, was kommen deine Wimpern jetzt zur Geltung! Und wo du jetzt so schön lächelst, natürlich Lippenstift! Du hast so volle Lippen, mit diesem tiefen Rot sieht das gleich wahnsinnig sinnlich aus.“ Tatsächlich sind sie so voluminös und schön geschwungenen, dass manche Frau neidisch wäre. In rot muss man sie geradezu anstarren. „Hauch mir mal einen Kuss rüber – hach!“

„Jetzt lauf nach da hinten. Und vergiss nicht, dass ich dir dabei auf den Hintern starren werde. Die Füße immer schön auf einer gedachten Linie und die Hüfte möglichst locker schwingen.“ Er braucht ein paar Meter, bis er sich nicht mehr auf den imaginären Schwebebalken konzentriert und seinen Rhythmus gefunden hat. „Jaaa, spürst du, wie der Rock um deine Beine schwingt? Schau mich mal über die Schulter an! Sehr süß!“

Ich weiß nicht, ob es an der Verkleidung liegt oder daran, dass er sich jetzt wirklich Mühe gibt darin anzukommen. Er hat mich. Nicht gerade als Frau, aber auch nicht als Mann, schon gar nicht als Pseudorebell. „Komm wieder her und setz dich neben mich. Die Hände in den Schoß. Schau mich versuchsweise an.“ Schüchtern, mit schlingernden Armen und wiegender Hüfte kommt er auf mich zu und richtet sich keusch, aber überraschend anmutig auf der Pritsche ein.

„Ich werde dich jetzt küssen, Mädchen. Du bist abwartend“, verordne ich Passivität. Ich streichel noch einmal über seine Wange und greife dann ihren Hinterkopf. Der wird in den Nacken gedrückt und Clark Gable in mir küsst im Stehen die dargebotenen Lippen. „Gefällt es dir?“ Wir wissen beide, dass es keiner Antwort bedarf. Meine Zunge dringt in den Mund und meine Finger tasten vom Brustkorb hoch auf der Suche nach Titten. „Du bist sehr hübsch. Und du fühlst dich gut an. Ich möchte mir dir schlafen – jetzt sofort“, drücke ich sie sanft auf den Rücken.

Advertisements

2 Kommentare zu “Be my Girl

    • Daran gedacht habe ich schon, den Gedanken aber wieder verworfen. Für den Preis hübscher Schuhe in der Größe gibt es eine ganze Menge anderes schönes Spielzeug! Und zum Dauerbrenner würden die wahrscheinlich sowieso nicht…

  • Kommentar verfassen

    Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

    WordPress.com-Logo

    Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

    Twitter-Bild

    Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

    Facebook-Foto

    Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

    Google+ Foto

    Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

    Verbinde mit %s

    %d Bloggern gefällt das: