Hinter dem Horizont

Veröffentlicht 04/12/2013 von Miss Universe

Wir haben schon einiges gelernt über Schläge, Schmerzen und die Dynamik von Kräfteverhältnissen. Insbesondere hat der Pseudorebell ziemlich gut verstanden, wie er mir Schmerzen bereitet, die ich als erfüllend empfinde. Die wesentliche Herausforderung dabei besteht darin, mich möglichst dicht an den Punkt heranzuführen, an dem die Schmerzen größer werden als ich. Wenn sie über mich hinausgehen, ich mich geschlagen geben, schwach sein darf, dann empfinde ich großes Glück – sofern ich in diesem Gefühl ernst genommen und aufgefangen werde. In beides habe ich beim Pseudorebellen ein unerschütterliches Vertrauen. Selbst wenn er ausprobiert, vermittelt er mir eine vollkommen verlässliche Sicherheit.

Es lag nahe, weiter zu probieren. Was würde geschehen, wenn dieser Punkt mutwillig überschritten würde? Wenn er mich nicht direkt dahinter auffinge, sondern noch ein Stück weiter triebe? Dass ich bereit wäre, das zu probieren, war mir klar. Ich habe allerdings mehrmals diese Grenze zumindest halb bewusst nicht eingerissen, als ich in einer Situation hätte schreien, jammern und um Gnade bitten wollen, weil ich ihn nicht überfordern wollte. Ich war so oft so dankbar, dass der Pseudorebell mit meinen Tränen umgehen kann, dass ich nicht zu hoffen wagte, ihn auch mit lauterem Leiden und Flehen konfrontieren zu können. Nun hatte er aber genau darum gebeten…

Ich trage kleinteilige schwarze Unterwäsche und sonst nichts als einen roten Lippenstift – was für mich wieder genau so lange sexy ist, bis er anfängt streng mit mir zu sein. Ich möchte mich auf dem Fußboden zusammen rollen und dort auflösen, als er beginnt mich klein zu machen, wozu es nicht viel mehr braucht als die Autorität, die er ausstrahlt, wenn er will, ganz ohne Schauspielerei. Der Respekt, den es mir einflößt, wenn er direkt vor mir stehend meine zarten Nippel mit der Springgerte traktiert, bis mir die Tränen aus den arglos aufgeschlagenen Augen laufen, ist mehr, als nötig wäre. Ich glaube ihm alles.

Bald stehe ich vornüber gebeugt da, die Hände in die Tischkante gekrallt, nichts weiter als die Schläge des Floggers auf meinem Rücken erwartend. Und die kommen. Genau richtig. Er weiß, dass er die Haut aufwärmen muss, damit ich überhaupt etwas ertrage. Er weiß, wieviel ich in einer Runde annehmen kann ohne auszubrechen. Und er weiß, dass er hin und wieder die Pause markieren und mir mit seiner Körperwärme Zuspruch geben muss. Er weiß, dass er dann weiter gehen kann, auch wenn ich weine, und er tut das ohne feststellbares Zögern.

Wenn ich noch ein bisschen nehme, legt er noch ein bisschen drauf. Ich beginne, es laut wegzuatmen. Er macht weiter. Ich lasse den Schrei aus meinem Inneren frei. Er gibt mir mehr. Bis die Stelle erreicht ist, wo ich nicht mehr will, wo ich nicht mehr kann, wo ich ausbreche. Mein Körper windet sich unwillkürlich unter dem nächsten Schlag heraus.

Er befiehlt mir stillzustehen, und nach einer kurzen Pause kann ich das, den Rücken wieder durchdrücken und erneut hinnehmen – so lange, bis er den Punkt wieder gefunden hat. Wir nehmen diesen Weg mehrfach. Meine Kehrseite glüht, aus meinem Gesicht laufen Rotz und Tränen, und auf diese merkwürdige, willenlose Weise bin ich glücklich. Noch einmal! Reiz mich weiter. Prügel den letzten Gedanken aus meinem Körper! Schenk mir eine Sekunde in Deinem Arm und dann lass mich wieder fallen! Mehr!

„Bist Du auskunftsfähig?“ fragt er irgendwann nicht zu Unrecht in mein mittleres Delirium hinein. Ganz sicher bin ich diesbezüglich nicht, aber unsortiert kommt heraus, dass ich noch nicht am Ende bin mit der Situation. „Du hast mich ausbrechen lassen“, sage ich ihm. In diesem Moment ist mir weder bewusst, dass er kaum eine andere Möglichkeit hatte als mich wieder einzufangen, noch dass die Reißfestigkeit meiner Haut endlich ist. Mir ist völlig unklar, wie erfolgreich subjektiv er mich bis hierher gemacht hat.

„Aber die Lösung ist ja ganz einfach“, ändert er plötzlich den eben noch leicht besorgten Tonfall. Die Feedbackpause ist zu Ende. Diesmal stehe ich nicht nach vorn über den Tisch gebeugt, diesmal fesselt er mich bäuchlings darauf. Als ich mich nach dem ersten Schlag unwillkürlich krampfhaft verdrehe, um ihm den Rücken zu entwinden, werden auch meine Beine fixiert. Und dann hat er mich. Noch bevor er nur den Arm erhoben hat, realisiert mein Reptilienhirn, dass ich gefangen und ohne Ausweg bin. Irgendetwas Hellsilbernes rieselt durch meine Wirbelsäule. Volle Aufmerksamkeit, aber nachher werde ich nichts mehr wissen.

Er schlägt diese Stelle in meiner Lende, die brennt und sofort den übermächtigen Drang auszuweichen triggert. Aber diesmal kann ich nicht weg. Die Seile halten mich in Position. Und der Pseudorebell macht einfach weiter. Abwechselnd brülle ich meine Angst unartikuliert heraus und stranguliere heftig den letzten Strohhalm meiner Vernunft, um zu betteln. Ich möchte diese Geräusche nicht hören müssen. Nicht einmal von mir, nicht einmal nachträglich. Aber der Pseudorebell macht weiter. Die Verzweiflung ballt sich wie ein schwarzes Loch in meiner Mitte zusammen. Hör auf! Aber er fährt fort.

Er legt mir die Hand über den Mund, um meine unkontrollierten Schreie zu dämpfen. Einen verwirrten Moment lang versuche ich mir einen Reim darauf zu machen, wie die Wärme seiner Hand, die doch sonst Dr. Jekyll und nicht zum bösen Werkzeug des Mr. Hyde gehört, mich plötzlich ersticken und um den letzten Ausdruck bringen kann. Ich heule, sabbere, wimmere in seine schönen Finger – bis mir klar wird, dass auch sie keine Rettung mehr bedeuten. Und dann platzt der Knoten endgültig. Ich bin weg. Keine Ahnung, wie das aussah, sich anfühlte oder anhörte. Ich weiß nicht, wann und wieso er ablässt, ob es genau dieser Moment ist, weil er weiß, dass er am Ziel ist, oder später. Aber das ist egal. Urknall.

Ich liege platt auf dem Tisch und komme langsam zu mir, während er die Seile löst. Ich stehe auf und wundere mich noch, warum ich so klar denken kann und noch derselbe Mensch bin. Ich hätte geschworen, dass ich beinahe unberührt bin. Dann will er, dass ich ihm ins nächste Zimmer folge. In dem Moment, wo er sich umdreht um zu gehen, packt mich eine schrille Panik allein zu sein. Ein hilfloses Geräusch aus meiner Kehle ruft ihn zurück, mich noch einmal festzuhalten. Ich habe keine Ahnung, wo diese Arme ihre unbegreifliche Trostkraft hernehmen. Sie machen alles gut.

Erst dann sprechen wir, küssen wir, ficken wir langsam wieder normal. Wir sind natürlich die gleichen. Eine Stunde später habe ich alles vergessen und herrlich sanften Sex. Am nächsten Morgen fühle ich mich so leicht und frei wie neugeboren. Nur ein Blick in den Spiegel zeigt noch, wieviel Kraft es gebraucht hat.

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