Auf dem Tisch II

Veröffentlicht 14/09/2013 von Miss Universe
Ich möchte diesen Händen ewig zusehen. Sie sind so genau zwischen stark und schön. Und wenn sie arbeiten, dann tun sie das mit dieser nachdrücklichen Präzision, ohne dabei die entspannte Grundhaltung zu verlieren. Er spinnt mich ein, und die Art und Weise, wie er an meinem Körper arbeitet, hat mich wieder sofort in den Bann gezogen. Ab und an kann ich den Blick auf die Fensterscheibe richten, wo sich das Kunstwerk von außen betrachten lässt. Die Hände sind über den Kopf auf den Rücken gebunden, ich kann mich nicht rühren. Eine Bahn verläuft über meiner Kehle und drückt. Mein Körper in den roten Seilen, in der unscharfen Spiegelung, im diffusen Licht ist abartig schön. Ich bin eine demütige Leinwand, und als er zurück tritt, um sich sein Werk zu betrachten, will ich so schön und brav sein, wie es eben geht. Um ein Haar wäre ich in die Knie gegangen und hätte meinen Kopf bettelnd in seinem Schoß vergraben.

Aber er hat andere Pläne. Er knüpft das Kleid wieder auf. Wie jedes Mal, wenn die Fesseln fallen, erstaunt mich wieder, dass sich das nicht nach Befreiung anfühlt, sondern stets so, als würde ich plötzlich entblößt. Ich liebe meinen Seilpanzer, ich vermisse ihn in dem Moment, wo er mich verlässt. Erst denke ich, es gibt eine zweite Variation. Aber er bringt lediglich zwei Schlaufen an meinen Handgelenken an. Dann führt er mich zum Tisch und bedeutet mir, mich darauf auszustrecken. Ich muss die Arme über den Kopf strecken; und er ist so schlau, noch ein Stückchen daran zu ziehen, als er sie an den Tischbeinen festmacht, so dass mir kein Spielraum mehr bleibt, um den Zug der Seile an den Handgelenken zu mindern. Es ist genau so fies, dass es mich einschüchtert und mir den ersten Furchtschauer über den Leib jagt, aber auch genau so am Rande der Vernunft, dass ich mich nicht wehre, sondern darein ergebe. Als nächstes fixiert er meinen Leib mit mehreren Seiten einfach waagerecht auf der Platte.

Ich bin tatsächlich ausgeliefert und muss kurz an sein letztes Spiel denken. Als er mir die Hand um den Hals legt und zudrückt, habe ich Angst – offensichtlich genug, dass er mich fragt, ob er weiter machen soll. Ja, bitte, diese Furcht ist süß, ich fühle sie, weil ich sie fühlen will. Aber sie ist gänzlich grundlos, denn im Gegensatz zur letzten Episode macht er diesmal bewusst alles richtig. Mir ist schleierhaft, woher er das so genau weiß. Ja, wir machen das nicht zum ersten Mal; wir haben oft darüber gesprochen; und er kennt mich und meinen Körper – aber trotzdem beeindruckt mich die traumwandlerische Sicherheit, mit der mich durch Bereiche meiner Empfindungen führt, die mir selbst eher unklar sind.

Bevor es beginnt, läuft Gänsehaut meinen Körper herunter. Dann kommt der Flogger. Die Lederenden streifen zuerst beinahe streichelnd über meine Haut. Dann nimmt er Rhythmus auf. Das ganze geht in Sätzen vor sich. Eine Reihe von Schlägen klatscht auf meinen Oberbauch, dann folgt eine Pause. Das ganze steigert sich in der Intensität. Anfangs sind es leichte Schläge, und wenn er in der Pause einmal mit den Fingern über die wärmer werdende Haut streicht, dann weicht die Spannung sofort. Mal um Mal werden sie stärker, und mit jedem Schlag verhärtet sich mein Körper, während ich still daliege und weiter atme.

Wenn er mich jetzt anfasst – und dieses Erlebnis schenkt er mir in jeder Pause – dann nimmt meine aufgereizte Haut die Berührung um ein Vielfaches verstärkt wahr. Und so wie meine Oberfläche mit schreiend wachen Nerven auf auf den sanften taktilen Reiz reagiert, so nimmt mein eben noch widerständiges Inneres diese Geste der Zärtlichkeit so viel offener und williger auf vor dem Hintergrund aus Schmerz. Ich sauge den stillen Zuspruch hemmungslos ein, als hätte ich ihn durchs Erdulden der Schläge verdient. Die Berührung fühlt sich so allwissend und gütig an, dass mir vor Dankbarkeit die Tränen aus den Augen zu laufen beginnen. Zum Glück hat er lange gelernt, dass dies kein Zeichen ist aufzuhören. Er macht eine Runde weiter; vielleicht härter, ich kann es nicht mehr beurteilen. Dann streichelt er meinen Kopf und beginnt mich loszumachen.

Ich bin unsicher, ob es zuende ist, und vielleicht ist er es auch. Ich muss aufstehen und mich über den Tisch beugen. Das Prozedere beginnt von vorn, diesmal auf meinem Po. Es ist das gleiche Muster und es funktioniert genauso gut. Ich bin von der gleichen Dankbarkeit beseelt und felsenfest davon überzeugt, dass dies alles nur für mich und auf meinen Wunsch geschieht. In den Pausen spüre ich seine beschwichtigende Hand auf meiner Backe und fühle mich wie das Zentrum des Universums. Doch plötzlich drängt sich durch den Jeansstoff sein harter Schwanz gegen meinen Hintern. „Ich werde Dich jetzt ficken“, kündigt er an und zieht an meinen Haaren.

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4 Kommentare zu “Auf dem Tisch II

  • Ich finde die Geschichten, wenn er dich mit dem Seil umspinnt immer besonders reizvoll und kann wunderbar visualisieren! (Schwerer Seilfetisch, ich ;))

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