Ohne fliegen

Veröffentlicht 25/08/2013 von Miss Universe
Manchmal passiert es, dass wir aufeinander treffen, und die Unzufriedenheit mit mir selbst erlaubt es mir in dem Moment nicht, über den eigenen Schatten zu springen, mir das Superheldencape überzuwerfen und alles zu vergessen, was nicht unmittelbar zwischen uns passiert.

Der Pseudorebell schaut mich an. Er kann es nicht verstehen – wie auch – aber er kann spüren, dass es heute anders ist. Er muss nicht wissen warum, weder aus äußerer noch aus innerer Notwendigkeit. Und eigentlich macht mich das frei. Genau diese Mischung aus faktischem Unverständnis und emotionaler Intuition macht das alles erst möglich.

Vielleicht hätte ich eine Chance, wenn er mich überrannte mit seinen eigenen Superkräften. Aber er ist empathisch und fürchtet sich mich zu übergehen. Wahrscheinlich braucht er wenigstens einen Funken von mir, um die Magie zu zünden. Also gehe ich den einzigen Weg, den ich in dieser Situation kenne, in der ich mich nicht öffnen kann und mich dann nicht berühren lassen mag. Ich schalte auf Aggression.

Ich werfe ihn auf den Boden, was aus Gründen der Kräfteverteilung leider immer seine Kooperation voraussetzt. Zunächst drängel ich mich in seinen Rücken, dort maximal seines Zugriffs enthoben, und lasse meine Hände über seine Vorderseite wandern. Meine Nase bohrt sich in die warme duftende Haut zwischen seinen Schulterblättern. Meine Finger kneifen beinahe seine Brustmuskeln und knöpfen ungeduldig seine Jeans auf. Für eine Sekunde fürchte ich, dass ich ihn zu hart und unvermittelt und lieblos angehe, so winzig und weich liegt er in meiner Hand. Aber wir haben beide genug Urvertrauen in was passiert, wenn ich nur weiter mache.
Sofort wächst er mir entgegen. Es ist ein unsinniger Trugschluss, aber mir gibt es immer Selbstvertrauen, wenn das passiert. Wenn ich dich schon nicht richtig lieben kann, dann kann ich es dir wenigstens richtig besorgen! Er richtet sich auf unter meinen Fingern, wird dick und hart in meiner Hand, und sofort will ich ihn küssen. Ich drehe den Pseudorebell auf den Rücken und hocke mich zwischen seine Beine. Er mag meine Hände an der Innenseite des Oberschenkels, am Hoden, am Perineum. Ich mag ihn an meinen Lippen, im Gesicht, im Rachen. Ich lecke ihn gern. Und ich mag, dass ich außerhalb seiner Reichweite bin.
Wir betrachten diesen Akt unterschiedlich. Deswegen ist es merkwürdig, ihn jetzt als sicheres Terrain nutzen zu wollen. Während er sich in der erzwungenen Passivität nie ganz wohl fühlt und selbst von meinen wildesten Zungenschlägen nicht ausgereizt wird, stellt so ein Blowjob für mich das Höchstmaß an Hingabe dar. Ich schenke meine heilige Mundöffnung. Ich teile aktiv meine Zärtlichkeit. Ich konzentriere mich auf den anderen Körper.
Ich will alles geben; wenn schon nicht mich, dann wenigstens Befriedigung. Ich benutze meine Hände, weil ich weiß, dass mein oraler Reflex nicht ausreicht. Und weil er mich neulich mit der folgenden Bemerkung während eines Blowjobs fast in einen Heiterkeitsausbruch gestürzt hätte, lasse ich auch meinen Mittelfinger in seinen Po gleiten: „Weißt du, wie geil das ist, etwas im Arsch zu haben und gleichzeitig einen geblasen zu bekommen?“ Nein, natürlich nicht, aber erklär’s mir.
Irgendwie ist ihm klar, dass dies der Kompromiss ist, der gerade geht. Irgendwie fängt er meinen Wunsch auf, er möge das annehmen. Gegen seine Gewohnheit kommt er widerstandslos in meinem Mund. Ich bin sicher, er hat keine Ahnung, wie sehr ich darauf angewiesen bin. Aber da ist es wieder: nicht verstanden, trotzdem richtig gemacht.

Ich bin um einiges glücklicher, und als er sich aufrichtet, kann ich mich auf seinen Oberschenkel kauern, anstatt mich gänzlich wegzuducken, und seine Hand auf meinem Rücken akzeptieren. Er streicht darüber mit seinen riesigen schönen Händen, gleichmäßig und ausdauernd. Ich erlebe diese lange großflächige Berührung manchmal bei ihm. Es fühlt sich an wie eine Mischung aus zärtlicher Mechanik und dem unerschöpflichen Wohlwollen, mit dem man ein vierjähriges Kind mit Bauchweh beruhigen würde. Es hat nichts mit Sex zu tun, und es ist genau das, was mir jetzt gut tut.
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