Eine Ahnung

Veröffentlicht 28/07/2013 von Miss Universe
Der Pseudorebell ist ein begnadeter Schweiger. „Einfach mal Fresse halten“ ist seine Rezeptur für einen gelungenen Moment, besonders wenn alles bereits schön ist. Wir warten am See auf die Schöne, und es ist alles gut. Zwischen uns gibt es nichts zu sagen. Es ist Sommer, und ein wunderbarer Abend unter freiem Himmel liegt vor uns. Und wie immer in diesen Momenten, wenn ich nicht meinen vorderen Hirnteil mit verbaler Kommunikation anstrenge, beginnen unsere Körper ihr Gespräch. Wie würde es jetzt losgehen, lägen wir nicht zwischen vielen Menschen an exponierter Stelle, damit die Schöne uns findet!

Sie hingegen ist eine gewandte und lustvolle Erzählerin. Selbst wenn sie nichts erlebt hätte, könnte ich stundenlang verzaubert ihren pointierten Geschichten lauschen. Sie hat aber wieder so einiges angestellt, und so kichere ich den ganzen Abend ihren Ausführungen lauschend, während die Sonne sinkt, der Wein in meine Adern fließt und die Zeit leider viel zu schnell vergeht.

Wir lagern angenehm auf zwei Decken ausgestreckt. Irgendwann hebe ich den Oberkörper auf die Ellenbogen und bekomme mit dem physikalischen Abstand auch wieder einen äußeren Blick auf die Situation, der mir kurz die Luft nimmt. Der Pseudorebell und die Schöne liegen mit den Köpfen so dicht zusammen, dass sie sie nur zueinander drehen müssten, um sich mit den Nasenspitzen zu berühren. Ihre Körper streben ein wenig auseinander, aber nur, um ein spitzes Dreieck zu bilden, in dem ich selber liege.

Ein Pseudorebellenarm umschlingt meine Hüfte und spielt wahrscheinlich auch weiter an meinem Körper herum, aber ich höre ja gespannt den Abenteuergeschichten der Schönen zu. Wie beim letzten Mal sind wir mehr oder weniger löffelnd ihr zugewandt. Sie liegt auf dem Rücken und richtet sich nur hin und wieder auf, um einen Schluck aus der Flasche zu nehmen. Mein Arm liegt über ihrem Unterkörper. Ohne, dass ich es recht bemerkt hätte, streicht mein Daumen immer wieder über die zarte Stelle an ihrem Hüftknochen.

Über allem liegt der Zauber einer trunkenen Sommernacht. Ich lächle, weil mich freut, wie vollkommen ungeplant und ziellos wir in diese Situation gekommen sind. Ganz kurz öffnet sich eine süße Ahnung, was alles einfach passieren könnte, wenn diese Nacht endlos wäre. Aber stattdessen fällt mir wieder die undankbare Feststellung zu, dass die Fahrpläne sehr wohl endlich sind.

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