Selbst gestört

Veröffentlicht 27/07/2013 von Miss Universe
Auf dem Hinweg habe ich versehentlich wieder das Thema vom Ende angefangen. Das habe ich zum einen schon letzte Woche ohne messbaren Erkenntnisgewinn, und zum anderen war es diesmal äußerst ungelenk. Es tut mir in dem Moment leid, in dem es meinen Mund verlässt. Wir bügeln darüber hinweg, die Ungewissheit gewohnt, aber vielleicht hat sich eine kleine Unsicherheit in unsere Knochen geschlichen.

Später tapere ich geduldig hinter dem Pseudorebellen her, bis er einen Platz gefunden hat, der ihm der lauen Sommernacht angemessen dünkt. Dass er letztlich einen findet, an dem er sich nachher wieder vor Spaziergängern erschreckt, ist mir schon jetzt egal. Irgendwie lege ich sowieso bemerkenswert wenig Leidenschaft an den Tag. Die schäumende Energie des Pseudorebellen bedrängt mich heute eher, als dass sie mich aufputscht. Ich befreie mich aus seinem Kuss. Ich klaube die Finger von meiner Brust, die mich in diesem Zustand eher schmerzen als erregen.

Aber ich habe gelernt, wie ich diese Ausnahmesituation fehlender Lust zu nehmen habe: Ich bitte ihn still zu sein.

In dem Moment, wo ich die Gewalt zur Entschleunigung an mich reiße, dreht sich alles: Ich ziehe mich aus, und der ganz leichte Wind, der immer noch die Hitze des Tages durch den Park treibt, streichelt über meinen Rücken, dem dieses Gefühl beinahe nie vergönnt ist. Der entblößte Oberkörper des Pseudorebells liegt unter mir wie Marmor im Licht des gerade voll aufgegangenen Mondes. Er leuchtet unwirklich hell und eben.

Meine Fingerspitzen fahren darüber und empfinden seine Haut nicht nur als glatt, sondern auch weich und ganz leicht warm. Meine Zunge taucht zwischen seine Beine, und er ist so brav still, dass nicht einmal sein nimmermüder Schwanz mir entgegen schlägt, während ich nur zärtlich über seine Hoden lecke. Irgendwann seufzt er wohlig, und erst dieses Geräusch erinnert mich wieder an Sex und weckt langsam und zart meine Lust. Ich nehme ihn in den Mund und stelle wieder fest, wie verdammt gern ich das tue und wie wohl ich mich dabei fühle. Ich meine, jede Reaktion auf winzigste Bewegungen spüren und verstehen zu können. Und dann kommt tatsächlich der Punkt, wo ich auch mehr will.

Ich rutsche an ihm nach oben, die Brüste über seinen Oberkörper streifend und nehme seinen Schwanz in mich auf. Während ich eben noch beinahe fürchtete, nicht in Stimmung zu kommen, wird mir urplötzlich klar, wie schön es ist, in diesem Moment nicht bereits vollkommen in meiner eigenen Geilheit abgetaucht zu sein. Ich spüre immer noch die warme Luft, die mich umfließt. Ich fühle das trockene Gras unter meinen Knien. Ich höre das Rauschen des Windes in der Blätterkrone des Baumes, unter dem wir lagern. Ich empfinde aufmerksam, wie wonnig sich unsere Geschlechter berühren. Ich nehme intensiv wahr, wie mein Inneres ohne Willen und Zutun sich schmiegt und windet. Wie wenig geschieht und wie wunderbar es sich anfühlt!

Der Pseudorebell ist immer noch ganz still. Nur ganz langsam und sanft streckt er sich mir entgegen, mit kleinen Bewegungen dieses seltsamen, eigenlebigen Stück Fleisches, deren Grad an Willkür und Muskelanspannung mir ewig verborgen bleiben wird. Aber im wesentlichen liegt er im Mondlicht und schaut mich an. Diesmal blicke ich von oben in seine hellen Augen, die offen stehen wie bei einem Kind. Der Kerl ist ausgewachsen, rational und mit ausreichend Selbstschutz- und -verteidigungsmechanismen versehen. Er ist erfahren genug, dass man ihn schwer überraschen kann. Und selbst wenn man ihn unerwartet packt, weiß er die Fassung zu wahren. Er ist ein Mann, er ist immer Herr der Situation und seiner selbst.

Aber jetzt gerade hat er alle Waffen und Schilder abgegeben. Jetzt sieht er mich an wie eine Erscheinung und als könne nichts Böses passieren auf diesem Planeten. Er richtet nicht nur alle scharfen Sinne auf mich, sondern macht seine Empfindsamkeit auf wie ein Scheunentor. Er will was hier mit uns geschieht mit einer Bedingungslosigkeit aufnehmen, die alles andere radikal außen vor lässt. Eine derart schutzlose Seele nimmt mir immer den Atem. Als jetzt die Spaziergänger in einigem Abstand vorbei laufen, bleibt er zwar notgedrungen unter mir liegen, aber der Kopf dreht hektisch, die Augen verengen sich und ich kann spüren, wie der Krieger zu den Waffen läuft. Ich muss lachen über den Kontrast. Und schon ist der Spuk vorüber, der Pseudorebell wieder auf Empfang.

Ich ziehe die Füße nach vorn und hocke in Froschmanier über ihm. Die Erfahrung weiß, dass ich das länger kann, als ich denken würde. Und ich weiß, wie sehr er es mag, wenn ich den ganzen Weg über die volle Länge seines Schaftes nehme. Es ist ein schöner langer Weg. Und man kann auf der Spitze neckend verweilen oder in kurzen und langen Intervallen wechselnd hoch und runter gleiten. Zumeist schaut er sich den Zaubertrick seines in mir verschwindenden Schwanzes auch gerne an. Aber als ich jetzt die Augen öffne, schaut er noch immer mit allen Sinnen geöffnet in mein Gesicht.
Während es mir die Kehle zudrückt, hinten von der Tränendrüse her, kann ich sehen, wie es ihm kommt. Wie der ganze Akt ist es nicht einer dieser erschütternden Orgasmen, bei denen brüllend der Teufel ausgetrieben wird. Stattdessen flirrt nur die Erlösung kurz über seine Netzhäute, während er die Augen nicht eine Sekunde von meinen nimmt oder auch nur blinzelt. Dann schwindet der heilige Ernst, mit dem er das hier betreibt, für kurze Zeit und macht einem Lächeln Platz, das kein Grinsen ist.
Ich klappe die Beine wieder um, froh die Froschposition verlassen zu können, und will eigentlich nur kurz über ihm sitzen bleiben. Er hält mich und schaukelt ein bisschen mit mir, wahrscheinlich bloß froh um diesen Moment. Aber der Pseudorebell wäre nicht der Pseudorebell, wenn er nicht plötzlich feststellte, dass es ja noch weiter gehen kann. Er animiert mich zu größeren Bewegungen, und tatsächlich kann ich spüren, wie sein Schwanz in mir wieder größer und fester wird. „Ja, komm, fick mich“ halte ich noch eine Weile durch, dann schmerzen irgendwann die Knie.
Ich rolle auf den Rücken. Er kommt über mich und frotzelt: „Ist schön, einfach nur im Gras zu liegen, ne?“ Und was dann kommt, fühlt sich tatsächlich irgendwann ein bisschen so an, als müsste er arbeiten. Er erklimmt Hügel um Hügel, der Atem stockt, dann sinkt er sisyphusgleich zwischen meine Schenkel um einen weiteren Anlauf zu nehmen. Irgendwann entwickele ich tatsächlich den Wunsch ihn zu erlösen. So wie ich liege, habe ich nicht viel Bewegungsfreiheit. Und für Wörter, die ein Übriges täten, bin ich nicht in der Stimmung. Also nehme ich die Dinge in die Hand.

In meiner Vorstellung setzt er sich auf meine Oberschenkel und lässt mich seinen Schwanz reiben, bis eine milchige Fontäne sich im Mondlicht über meine nackten Brüste ergießt. Er aber sagt, als ich ihn aus mir heraus gezerrt habe: „Das ist doch Verschwendung.“ Es ist vielleicht nicht die geschickteste Weise, berechtigtes Missfallen an einem Positionswechsel auszudrücken, aber es ist auch kein Grund für diese vollkommen sinnlose Diskussion, die wir im Anschluss führen, anstatt die Magie des Abends auf unserer Seite zu behalten.

Wir kommen vom ficken ins reden, und es ist nicht so, dass wir konstruktiv Wünsche und Bedürfnisse verhandeln. Wir finden auch den Weg zurück nicht, wie sonst aus jeder Störung heraus, einfach weiter zu machen. Es fühlt sich eher an, als würden wir Unsicherheiten austragen. Recht bald merken wir beide, dass es nichts bringt. Wir ziehen uns tatsächlich an und trollen uns nach Hause. Ich will für uns anrechnen, dass wir dem keine weitere Bedeutung zumessen und es nach zehn Minuten nicht mehr zwischen uns steht. Ein Paralleluniversum hat keine Risse.

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5 Kommentare zu “Selbst gestört

    • Ach, manchmal habe ich den Eindruck, das hier wächst mir über den Kopf – weniger organisatorisch oder gefühlsmäßig, sondern weil es immer unter den Teppich muss. Dann entwickle ich eine Sehnsucht, dem selbst ein Ende zu setzen, damit es nicht irgendwann explodiert.
      So ein Manchmal war gerade wieder – aber ohne Konsequenzen.

  • „Weil es immer unter den Teppich muss“ – das kenne ich wohl auch nur allzu gut und mir geht es da ähnlich: Immer mal wieder kommt dieser Gedanke, wie wäre es, wenn alles wieder so wäre wie vor dieser einen Begenung…?

    • Oder wie wäre es, wenn man alles noch einmal beginnen würde. Zurück will ich gar nicht.
      Kann man deine Gedanken eigentlich auch irgendwo lesen?

  • Nein, kann man nicht, aus dem einfachen Grund: Ich habe meine Gedanken schon allzu oft woanders und würde ich das Ganze auch noch aufschreiben käme vermutlich die Familie zu kurz, weil ich mich nicht kurz fassen könnte 😉
    Zurück will ich auch nicht. Würde nur gerne noch einmal wissen, wie es sich anfühlte, so ohne diesen moralischen Ballast (Verheiratete Frau mit sehr kleinen Kinder blablabla…)

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