Die Gier der anderen

Veröffentlicht 21/07/2013 von Miss Universe
Ich bin das nicht gewöhnt, und ich finde das ethisch bedenklich.

Miss Universe ist es auch noch nicht gewöhnt, aber sie findet es höllisch geil.

Natürlich trage auch ich den Körper von Miss Universe durch die Gegend. Ich tue dies aber meist wenig aufreizend bekleidet und vor allem mit anderen Gedanken. Der Pseudorebell behauptet, allein dadurch viel mehr Flirts auf der Straße zu haben, dass er den Sex Appeal, den ich ihm permanent bestätige, vor sich her trägt. Mag sein. Ich habe nicht das Gefühl, dass ich besonders wahrgenommen werde.

Ich trage diesen Körper auch selten an Orte, wo gesteigerte Aufmerksamkeit in diesen Dingen herrscht – und wenn, dann in Begleitung gleich mehrer Freunde, die eine Annäherung erschweren. So beschränkt sich das Begehren, das ich wahrnehme, auf ein paar aufmerksame U-Bahn-Fahrer und die obligatorischen pfeifenden Bauarbeiter, wenn sich  das Röckchen beim Fahrrad fahren nach oben schiebt. Und das ist auch gut so.

Wenn Miss Universe auf eine Erotik-Party geht, dann sind aber alle Vorzeichen verdreht. Dann wird dieser Körper zur Schau gestellt. Dann liegt roter Lippenstift auf. Und schon bevor etwas zu sehen ist, ist allen klar, dass es um Sex geht. Es hat keiner Hemmungen, und die üblichen Konventionen gelten nicht.

Dann kann Miss Universe durch die Menge laufen und auf jedem Meter das eindeutige Angebot eines willigen Augenpaares freundlich registrieren. Dann steht sie keine zehn Sekunden alleine da, wenn der Pseudorebell sich mal ein paar Meter absentiert. Dann wird ihr alle fünf Minuten erzählt, wie hübsch sie sei, und gefragt, ob man sie anfassen darf. Dann kann sie sich suhlen im fremden Begehren und ihrer eigenen Eitelkeit – im Übermaß, gleich drei Todsünden auf einmal.

Und als würde das nicht reichen, reizt sie weiter. Wer lächelt, bekommt ein schönes Lächeln zurück. Übergriffige Hände werden überaus freundlich entfernt. Und um dem Pseudorebell einen Blowjob zu verpassen, müsste man eigentlich nicht so offensiv mit dem Arsch in der Gegend herum wedeln. Sie zieht aber gleich doppelten Genuss daraus. Zum einen erregt sie allein das Wissen, dass jemand hinter ihr steht und zuschaut. Zum anderen, delektiert sie sich an der Begeisterung des Pseudorebellen, der von einer Art Besitzerstolz geflutet wird.

Natürlich kann sie mit den ganzen Angeboten gar nicht souverän umgehen. Sie hat es schließlich nie geübt, und ich kann ihr nicht helfen. Des weiteren tut es ihr leid, so viele abweisen zu müssen. Es erscheint ihr unterlauter, sie erst scharf zu machen und dann auf Exklusivität zu pochen. Es beschämt sie ein wenig, sich derart anzubieten und dann zurückzuziehen. Aber es streichelt so schön das Ego…

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2 Kommentare zu “Die Gier der anderen

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