Floating

Veröffentlicht 07/07/2013 von Miss Universe
Wir sind mit der Schönen unterwegs, weil es mit ihr einfach Spaß macht und sie die einzige ist, für die wir nicht schauspielern müssen. Der Pseudorebell erzählt ihr heute sogar die Geschichte, wie alles begann. Irgendwann sind wir wieder alle betrunken – auch das irgendwie Tradition. Wir liegen im Gras und schwingen mit unseren angenehm umwölkten Hirnen in einer ziellosen Unterhaltung über olympische Götter.
Ich genieße es sehr, endlich draußen zu sein mit zwei Menschen, die mir angenehm sind. Die Luft ist lau, die Dunkelheit allumfassend. So, wie alles gerade richtungslos erscheint, interagieren auch unsere Körper. Ich liege zwischen den beiden auf dem Rücken. Die Schöne steckt mir Grashalme in Nase und Ohren, bis ich mich schütteln muss. Der Pseudorebell lässt sich von der gleichen Tortur nicht aus der Ruhe bringen. Stattdessen ergreift er die Gelegenheit, sie im Gegenzug mit einem Halm viel zärtlicher zu berühren.
Erstaunlicherweise lässt sie es sich gefallen. Ich schiebe meine Hand, die sowieso schon die ganze Zeit neben ihr herumkuschelt, in ihre, und sie beginnt meine Finger zu streicheln, während der Pseudorebell über mich hinweg seinen Grashalm wieder und wieder über ihr entblößtes Dekolleté fahren lässt. Mir fällt wieder auf, wie zart ihre Finger sind. Sie sind auch viel sanfter und verspielter als seine. Wie zur Bestätigung habe ich plötzlich die andere Pseudorebellenhand drängend an meinem Schenkel.
Ich weiß nicht, ob diese Berührung eigentlich mir gilt oder kompensiert, dass er mit seinem Grashalm dort oben so furchtbar langsam und flüchtig unterwegs ist. Es ist mir auch egal, es motiviert mich in jedem Fall. Sie lässt es sich nämlich wirklich lächelnd gern gefallen, dass er sie streichelt. Dann kann ich das auch. Ich lasse meine Hand über ihre Seite wandern und kann spüren, wie sie atmet. Meine Hand streicht über ihre Hüfte und findet so schöne Stellen zum andrücken und innehalten am Ansatz ihres Oberschenkels.
Erst folgt mir ihre Hand noch, eher zärtlich als kontrollierend. Dann habe ich sie verloren. Irgendwann bemerke ich, dass auf dem schmalen Fleckchen Rasen zwischen mir und ihr jetzt die Pseudorebellenhand mit ihren Fingern spielt. Wie oft habe ich gedacht, es müsste schön sein, diesen von mir so geliebten Greifwerkzeugen dabei zuzusehen, wie sie etwas anderes Schönes berühren. Und es ist tatsächlich wunderhübsch anzusehen. Auch wenn es nicht der rein visuelle Eindruck ist, der mir dieses wohlige Gefühl in die Magengegend zaubert. Mich erfreut, dass sie über meinen Körper hinweg zueinander finden. Ich erinnere mich, dass ich noch eine freie Hand habe und schiebe sie unter ihren Schenkel.
Inzwischen hat der Pseudorebell angefangen, an ihrem langen Shirt zu zupfen. Ich bin überrascht und froh zugleich, dass er es gar nicht eilig zu haben scheint. Ich treibe ziellos meinen Empfindungen lauschend und bin fast sicher, dass es ihr genauso geht. Ich unterstelle dem Pseudorebell, dass er den großen „da geht was“-Film laufen lässt, aber ich scheine ihm Unrecht zu tun. Ich habe ihn im Rücken, als wäre ich ihr großer menschlicher Schutzwall. Es ist jedoch gar nicht nötig. Er atmet tief, aber ruhig, und seine Finger streicheln genauso langmütig wie meine über die schöne Frau neben mir. Eine Hand in ihrem Kreuz, die andere auf ihrem Bauch bin ich verzückt davon, wie warm, weich und schlank sie sich dazwischen anfühlt.
Sie gluckst ein paar Mal lachend und stellt fest: „Ihr fühlt Euch an wie ein 25-armiger Oktopus. Man kann gar nichts mehr zuordnen.“ Wie mir das gefällt! Der Pseudorebell und ich als Einheit, die sich auf sie konzentriert. Es ist geradezu perfekt. Wie sind wir nur wieder ins Reden gekommen? Jetzt sieht sie mich von unten an und lächelt. Unaufhörlich. Ich schaue in dieses vollkommen milde und sanfte Gesicht und suche nach irgendeiner Form von Ironie, Distanz, Brechung. Es gibt sie nicht. Die hellen Züge leuchten unter mir und sie strahlt so lieblich, dass ich das Gefühl habe von unten mit Töpfen von Honigmilch übergossen zu werden.
Irgendwie bin ich tatsächlich über ihr jetzt, halb aufgestützt, halb auf ihrem Körper gelagert, und starre noch immer in dieses Lächeln. Irgendwo in meinem Hinterkopf höre ich den Pseudorebell flüstern: „Jetzt küss sie endlich!“ Ich gebe mir einen Ruck, senke erst meine Lippen auf ihre wunderbare Brust, suche mir einen ungelenken Weg über ihr Kinn zu den Lippen und tue es. Wie beim letzten Mal überwältigt mich die Zartheit der Haut, wie klein und delikat ihr Mund ist. Mit einer Hand fahre ich ihr über das Schlüsselbein, die andere wühlt sich mit so einer Erfüllung in die Mähne an ihrem Hinterkopf, als wäre das ihre immer da gewesene Bestimmung.

Trotzdem bin ich es, die nun zum Aufbruch treiben muss, damit wir alle noch nach Hause kommen in dieser Nacht.

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8 Kommentare zu “Floating

    • Wiedersehen auf jeden Fall. Die Frage ist eher, wieviel Stoff fürs Paralleluniversum dabei entsteht. Eigentlich hat sie das abgelehnt. Aber der Pseudorebell phantasiert auch schon wieder…

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