Eindringlich angesehen

Veröffentlicht 03/07/2013 von Miss Universe
Anfangs gab es nur einen Modus im Zusammentreffen mit dem Pseudorebell: Sex. Ich musste ihn nur von weitem sehen und mein Körper spulte automatisch alle entsprechenden Verhaltensmuster ab, als sei ich eine Pawlowsche Hündin. Alles in mir machte sich sofort bereit für den vermeintlich reproduktiven Akt. Inzwischen geschieht das selektiv. Manchmal kann ich sogar so weit entfernt von diesem Gedanken sein, dass man mich überraschen kann.
 
Der Modus ist allerdings immer noch leicht anzustoßen. Auf Kommando. Ich liebe zum Beispiel den Moment, wenn sich in der Mittagspause die Fahrstuhltür zur Tiefgarage hinter uns schließt. Er muss nicht einmal einen Schritt näher an mich herantreten. Die Enge des umgebenden Raumes reicht aus, damit ich mich von seiner schieren Präsenz augenblicklich bedrängt fühle. Wahrscheinlich sind es nur Zentimeter, die er die Brust heraus drückt und damit demonstriert, wie stark und übermächtig er ist. Dieser Effekt geht gegen meine sämtlichen Überzeugungen, aber mein Körper erkennt sofort die überlegenen Gene eines potenziellen Kindsvaters. Meine Knie geben eine Winzigkeit nach.
 
Er tut nichts weiter als mich mit den klaren Augen durchdringend zu fixieren. Ich fühle mich an die rückwärtige Wand genagelt. Mein Becken schiebt sich nach vorn. Meine Augen fangen den Blick von unten auf. Mein Körper registriert das Interesse und erhöht erst einmal den Sauerstoffgehalt. Ich öffne die Lippen und der Atem geht viel, viel tiefer als zuvor. Vielleicht kann er schon diesen Vorboten eines Stöhnens hören, vielleicht ist er nur mit seinen eigenen Reaktionen beschäftigt. Jedenfalls entringt sich seiner Kehle an dieser Stelle gerne ein leises, bestätigendes Grunzen.
 
Ich kann nicht anders als es schmeichhaft finden, wenn seine Augen aufhören mein Gesicht zu scannen und stattdessen mit genau der gleichen fesselnden Intensität hinabgleiten und auf mein Dekolleté brennen. Wenn es noch nicht passiert ist, kann er jetzt tatsächlich zusehen, wie sich meine Nippel zusammen ziehen und aufrichten. Das Blut pumpt schneller durch meinen Körper. Meine Lippen werden röter, meine Wangen und was noch alles.
 
Jetzt tritt er vielleicht doch einen halben Schritt auf mich zu. Die Nähe ersetzt die Berührung und durchrieselt mich wie ein Schauer. Meine Schleimhäute werden aktiv. Wenn Winter ist, beginnt meine Nase wie verrückt zu laufen. Mir läuft das Wasser im Mund zusammen, ich muss nervös schlucken. Und ich kann tatsächlich spüren, wie sich die Feuchtigkeit zwischen meinen Beinen ausbreitet. Gleich werde ich beim Gehen den feuchten Fleck spüren.

Der Fahrstuhl macht „bing“. Wir sind ganze zwei Stockwerke in die Tiefgarage gefahren. Er hat mich nicht berührt. Aber ich bin gar wie eine Apfeltasche in der Mikrowelle. Bing.

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