Vanille

Veröffentlicht 08/06/2013 von Miss Universe
Endlich scheint wirklich die Sonne. Und wir haben Zeit. Dafür musste es Juni werden dieses Jahr. Der Pseudorebell schaut etwas skeptisch, als ich vorschlage eine längere Fahrt durch die Stadt anzutreten. Aber er lässt sich darauf ein, denn es ist vorhersehbar, dass wir an allen bekannten schönen Plätzen alles andere als allein werden sein an einem so schönen Abend.

Die Fahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist wie immer kein Geschenk, aber als wir direkt hinter der Bushaltestelle in einen Trampelpfad einbiegen, der durch eine herrlich ungepflegte Parkanlage in Richtung leuchtender Abendsonne verläuft, ist augenblicklich klar, dass es sich gelohnt hat. „Hohes Gras – so habe ich mir das vorgestellt“, frohlockt der Pseudorebell, und wir müssen nur kurz durch die Disteln streifen, bis wir einen Platz zwischen Busch und Birke finden, der weit ab von allen Wegen noch wunderbar sonnig ist.

Ich glaube, ich habe das Shirt ausgezogen, bevor das Bier offen ist. Das Gefühl von Sonne und Luft großflächig an der freien Haut ist eine seltene Wohltat. Die nach und nach tief stehende, irgendwann auch ins Orange verschobene Beleuchtung, hier und da durchbrochen von einem kaum im Luftzug bewegten Blätterdach, setzt uns gewaltig in Szene, wie wir da inmitten frühsommerlicher Natur und fröhlicher Insekten ausgestreckt sind auf der viel zu kleinen Picknickdecke – Adam und Eva im Garten Eden. Wenn ich neulich schon Rosamunde Pilcher assoziiert habe, fällt mir keine Steigerung mehr ein für diesen Romantik-Overload.

Ich lehne meinen Kopf an seine Schulter. Leicht angewärmt von der Sonne duftet seine Haut noch ein wenig überirdischer. Mir ist überhaupt unklar, wie ein nicht mehr ganz junger Mann, der seinem Körper nicht nur Reis und Gemüse, sondern letztlich auch diverse Gifte zuführt, so unfassbar gesund und rein riechen kann. Ich grabe meine Nase in seine Achselhöhle, weil ich dort irgendwo ein paar Moleküle finden werde, die nach Kerl riechen und nach Sex. Ich atme ein, und die Lust kommt, und ich wundere mich zum tausendsten Mal, wie einen so ein paar Sinnesempfindungen so glücklich machen können.

Wir genießen einander und dieses sinnlose Gefühl von Freiheit im hohen Gras, das Wind und Sonne und erwünschte Hände ausmachen, bis es irgendwann doch kühl wird. Noch tagelang lassen mich die ersten Mückenstiche des Jahres an diesen Kurzurlaub denken.

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