Wetter

Veröffentlicht 02/06/2013 von Miss Universe
Alle reden vom Wetter, und dass der Sommer endlich kommen soll. Sogar wir reden von Wetter – dabei sollten Superhelden nun wirklich darüber erhaben sein. Aber was haben wir letztes Jahr um diese Zeit schon alles draußen angestellt! Und dann deklariert der Pseudorebell an einem halbwegs warmen Maitag einfach den Sommer…

Wir ziehen mit einer Decke und frischem Weißwein in den Park. Es ist tatsächlich wie letztes Jahr. Insekten umschwirren uns, Häschen hoppeln in sicherem Abstand, nur die Maus lässt sich nicht blicken. Die Sonne schaut nicht heraus, aber das macht nichts, denn so sind wir neben einigen unverbesserlichen Joggern die einzigen und auch ohne Sonnenschein sind die Weite des Himmels und die Frische der Luft eine Offenbarung im Vergleich zum Stundenhotel.

Es dauert nicht lange, bis der Pseudorebell mir das Höschen unter dem Rock abstreift. Ich klettere über ihn in diese Position, in der wir für die Jogger zwar voll bekleidet aussehen, das Röckchen bedeckt unser beider Hüften, aber ich glaube nicht, dass irgendeinem Beobachter verborgen bleibt, was hier passiert. Es ist mir schnell egal. Ich schaue auf den natürlich beleuchteten Pseudorebell und das Gras und die Weite und spüre, wie er pumpend und ergiebig in mir kommt.

Ein ganz leichter Regen setzt ein. Mit einigen Endorphinen im Blut lässt er sich aushalten, und keiner von uns will jetzt aufhören. „Los, Schuhe an!“ werde ich trotzdem irgendwann ungeduldig aufgefordert. Er kommt seiner Ankündigung nach, mich „ins Gebüsch zu schubsen“. Drei Schritte weiter tut sich wie magisch der Eingang in einen Rhododendronhain auf. Ich darf mich an einem Stamm festhalten, während der Pseudorebell mich von hinten nimmt. Es hat etwas von Rosamunde-Pilcher-Softporno, wie ich da im weißen Röckchen im dämmrigen Dickicht stehe. Auf die dicken dunkelgrünen Blätter klopft sanft der Regen, ohne dass wir nass würden. Und die überbordende magentafarbene Blütenpracht raschelt und wippt unter den Stößen, die durch meine Arme auf den Stamm übertragen werden. „Schönes Detail“, sagt der Pseudorebell.

Dann regnet es doch so sehr, dass wir in einer Bar unterschlüpfen, d.h. eigentlich nur unter den großflächig bereit gestellten Schirmen auf einem Ledersofa. Der riesige Mann neben mir füllt problemlos das klobige Sitzmöbel, aber er kuschelt sich dabei unter einen Heizstrahler wie ein frisch geschlüpftes Küken unter seine Infrarotlampe. Vielleicht hat er Kraft geschöpft, jedenfalls geht es sofort weiter, als der Regen nachlässt.

Inzwischen ist es regnerisch und fast dunkel. Kein Mensch stört sich daran, dass wir den Spielplatz und das Planschbecken unsicher machen. Rosamunde Pilcher sähe jetzt wahrscheinlich eine im wahrsten Sinne des Wortes triefende Szene im Wasser vor, aber wir sind ein bisschen vernünftiger und krabbeln auf ein Rutschenhäuschen. Dort oben gewährt ein Dach ein gewissen Sichtschutz, und tatsächlich stromert noch ein vereinzelter junger Mann über den Spielplatz. Der hat es wohl so gewollt. Ich kann nicht widerstehen und hänge mich mit den Ellenbogen rücklings in die Brüstung. Dann klettern meine Füße auf erreichbare Absätze, so dass ich wie eine umgedrehte Pornospinne im Rutschenhäuschen hänge.

Der Pseudorebell lacht und sagt: „Na, dann zieh mal Dein Höschen aus.“ Während ich meine Spinnenposition auflöse, mich frei mache und sie wieder einnehme, hat er sich bereit gemacht. „Drei Minuten kann ich das halten“, kündige ich an. Aber einerseits stützt er meine Mitte ganz gut, andererseits scheint der mittlerweile unsichtbare Jungendliche ihn zu befeuern. Jedenfalls braucht der Pseudorebell ganz gegen seine Gewohnheit selbst beim dritten Mal diese Zeit nicht. Und um Rosamunde Pilcher ein bisschen Einhalt zu gebieten, stellt er noch beim Einpacken fest: „Dann können wir ja jetzt nach Hause.“

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3 Kommentare zu “Wetter

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