Kommen lassen

Veröffentlicht 31/05/2013 von Miss Universe
Ich bin beglückt, dass es heißt: „eine Stunde“, obwohl die Zeit schon fortgeschritten ist. Wir bekommen wieder das renovierte Zimmer; wir sind ja schließlich Stammkunden (O-Ton). Ich werfe die Tasche in die Ecke, zerre mir die Jacke vom Leib und wundere mich kurz, dass der Pseudorebell mich noch nicht in einem seiner stürmischen Küsse umschlungen hat. Ich bin es irgendwie gewohnt, dass der Auftakt im Stehen stattfindet, halb verstrickt in viel zu viele Klamotten, schwitzend auf dem siffigen Teppich. Jetzt aber steht er mit einem Meter Abstand und entkleidet sich selbst. Dann weicht er noch weiter zurück und legt sich auf das Bett. Die langen Glieder ausgestreckt auf dem weißen Laken, die helle Haut sanft erstrahlend in der Schummerbeleuchtung lagert er dort wie eine Inkarnation von Adonis und dem Perwoll-Lämmchen zugleich.

Diese gelungenen Proportionen! Und dann sieht er mich an aus diesen Gänseblümchenaugen, denen man das nie zutraut, aber die kein Wässerchen trüben können, wenn er das möchte, und bettet das Lämmerköpfchen anmutig auf seinen Arm. „Das gefällt mir“, entfährt es mir, während ich mich wahrscheinlich zum ersten Mal ohne hektische Hilfe oder strenge Vorgaben ausziehe. „Das gefällt mir sogar sehr“, freue ich mich, endlich einmal vollkommen nackt und auf voller Länge gebettet beginnen zu können.

Ich komme über ihn, fange an zu riechen, zu streicheln, Wärme zu spüren. Ich lasse meine Lippen über seine Brust, die Schulter, den Hals wandern, bevor ich seinen Mund küsse. Ich lasse meinen Körper über seinen gleiten, mein Becken rotieren, meine Brüste streifen, bevor ich seinen Schwanz berühre. Er hält still, ohne dass ich etwas befohlen hätte. Nicht einmal seine Arme umschließen mich, packen meine Hüften oder richten meinen Hals so, dass er mich besonders tief küssen kann. Stattdessen wartet er geduldig die drei Minuten, die es braucht, bis ich ihn in mir spüren will. Nur sein Schwanz drängt sich mir kooperativ entgegen.
Dieser Moment des ineinander Gleitens ist wunderbar, wenn man ihn empfängt, aber was genieße ich heute ihn zu bestimmen! Still halten, wenn es zu gut wird, das Gewicht eine Nuance verlagern, um weiter zu reizen, irgendwann Fahrt aufnehmen, weil es einfach zu geil ist. Ich will alles auf einmal und ich kriege alles auf einmal: zärtlich das Lämmchen streicheln, inbrünstig mit Adonis Liebe machen und wild mit dem Pseudorebell ficken. Es ist wie Kinder Überraschung, das geht nun wirklich nicht, aber hier erlebe ich das gerade. Eine Welle undefinierten Glücks reißt mich fort. Ich habe Hundert Gefühle auf einmal, und sie widersprechen sich nicht. Alle Folgeaktivitäten nehme ich durch den rauschhaften Schleier eines beseelten Grinsens wahr.

Hinterher sitzen wir zusammen und ich erzähle dreimal, wie schön ich es erlebt habe. Ich habe nicht den Hauch einer Ahnung wieso. Der Pseudorebell aber weiß es ganz genau: „Ich habe dich ganz bewusst selbst ankommen lassen.“ Es fällt mir wie Schuppen von den Augen, ich bin völlig perplex. Stimmt, das war so gut, weil es gänzlich in meinem Rhythmus passiert ist.

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