Ein Abgang

Veröffentlicht 13/05/2013 von Miss Universe
Es ist schon wieder alles superheldenhaft gut verlaufen. Aus abholen kommen sind zwei wunderbare Nummern auf der Couch geworden. Er ist mir so schön nahe, wenn er eine Rückenlehne hat, während ich auf seinem Schwanz hocke. Ich mag es, wenn er sich nicht entscheiden kann, ob er mir lieber voll in die Titten greift oder mich stattdessen gierig bei den Hüften packt und den Rhythmus steuert. Wir haben noch ein wenig in die untergehende Sonne geschaut und uns dann in den dunklen Trubel des Nachtlebens gestürzt. Ich habe noch mehr Namen gelernt als Bier getrunken und am Ende haben wir getanzt.

Was für ein gelungener Abend! Nicht ganz perfekt scheint der Pseudorebell lediglich den Moment getroffen zu haben, in dem es Zeit ist zu gehen. Jetzt sitze ich in der U-Bahn und merke, dass es ein bisschen zu spät ist. Ich bin betrunken, aber nicht zu sehr, um zu wissen, dass ich eine verschwitzte mittelalte volltrunkene Frau mit glasigen Augen in der U-Bahn bin. Mit meinem eben noch ausgelassen tanzenden Kreislauf rutscht mein Ego auf dem Plastiksitz in sich zusammen. Ich bin durch.

Da greift der Pseudorebell meine Hand. Er will sie nicht halten, er liebkost sie. Ich möchte meine Sinne auf die Innenseite meines Unterarms konzentrieren und die zärtliche Berührung genießen. In dem Moment, wo ich die Augen schließe, wird mir erst schwindelig und dann schlecht. Ich versuche, mich gerade hinzusetzen und ruhig weiter zu atmen. Die Augen auf den Horizont richten zu wollen, ist in der U-Bahn ein sinnloses Unterfangen. Ich schaue erst den Gang hinunter und dann wieder den Pseudorebell an.

Einerseits versuche ich, den bitter in meinem Mund zusammen laufenden Speichel zu schlucken und nur für den Notfall den Weg zur Tür und die einzige halbwegs freie Ecke gegeneinander abzuwägen. Andererseits betrachte ich den Pseudorebell, wie er beinahe andächtig meinen Arm streichelt. Er muss etwas vollkommen anderes sehen. In seinen Augen steht heiliger Ernst, der weder von Alkohol noch von Begehren in diesem Moment so sehr verschleiert wäre, dass ich es ertragen könnte. Der Mann macht mich fertig mit seiner Aufrichtigkeit. Und seiner ganz offensichtlich empfundenen Begeisterung. Ich zähle Stationen herunter, während er mich anschaut, als sei ich eine Offenbarung und er mir auf ewig ergeben. Ich bin dieser Intensität nicht mehr gewachsen.

Dann steigt er auch noch mit mir aus. Und irgendwie ist klar, dass er dabei ausnahmsweise nicht im Hinterkopf hat, Nummer drei auf dem Spielplatz zu schieben. Diese Sorte Unvernunft macht mir Angst. Ein Pseudorebell bringt mich nicht bis an die Tür, wenn ich noch laufen kann! Zum Glück fällt meinem Unterbewusstsein ein, wie es die Situation umdeuten kann. Ich nehme ihn mit in den Keller, und zu meinem großen Erstaunen sind wir beide noch in der Lage, den Quickie zu genießen.

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