Dusch! Mich! Ab!

Veröffentlicht 03/05/2013 von Miss Universe

Mich fasziniert diese beinahe unfehlbare Fertigkeit des Pseudorebellen, nicht nur selbst instantan geil zu werden, sondern diesen Zustand auch noch so pentrant ansteckend auszustrahlen, dass ich mich manchmal fühle wie ein Duracellhäschen, für das er den geheimen Schalter entdeckt hat. Er knipst an, und um uns herum brennt sofort die Luft.

Umso überraschender ist es, dass es auch einen Schalter zu geben scheint, um ihn zu entschleunigen. Wenn man ihm eine Aufgabe stellt, verwandelt sich seine sprühende Ausstrahlung komplett. Sobald er seine Energie einzig und allein darauf fokussiert zu gehorchen, wird jede Bewegung mit absoluter Präzision und Ernsthaftigkeit ausgeführt.

Erst war mir nur warm, als ich ihn bat mich abzuspülen. Aber schon die Konzentration und Genauigkeit, mit der er die Wassertemperatur reguliert, belehrt mich eines Besseren. Er handelt nur an der Armatur, doch schon dabei wirkt es wie eine bedeutungsvolle Zeremonie. Brennend muss das Verlangen sein, es perfekt zu machen, so genau und bedächtig prüft er den Wasserdruck und die Düseneinstellung, bevor er es wagt, den Strahl gegen meine Haut zu richten.

Ich brauche nicht den Effekt der Reinigung meines Körpers. Die Szene gewinnt nicht wesentlich durch die ersehnte Abkühlung. Mir laufen aus anderen Gründen Gänsehäute über den Körper. Es geht nicht um die rituelle Waschung meiner Seele. Was diesen Moment so eindrucksvoll macht, ist die Entschleunigung. Ich spüre seine Hand auf meiner Schulter, mit Absicht, mit Bedacht, sanft und ohne jeden Gedanken, jedes Begehren jenseits dieser Tätigkeit. Selten fühle ich diese Finger ohne das Drängen nach mehr, nie so knisterfrei und mit doch so hoher Energie. Vielleicht noch beim Knotentanz.

Ich muss ihn nicht ansehen, um zu wissen, wie seine Augen mit beinahe schmerzlicher Offenheit nach mir suchen. Ich kenne diesen Ausdruck unvermittelter Sanftmut in seinen Mundwinkeln. So wie die Berührung eine gänzlich andere ist, so trägt er auch ein ganz anderes Gesicht.

Seine Hände spülen das Wasser um meinen Körper. Alle Teile werden umflossen – leicht, streichelnd, und doch voller Konzentration, beinahe Andacht. Er nimmt Seife dazu. Die Berührung wird noch gleitender, bleibt aber genauso deutlich und klar. So wahrgenommen zu werden, ist fast nicht auszuhalten und doch ganz einfach. Ich gebe mich vollständig dieser Empfindung hin. Unverständliche Geräusch des Genusses quellen aus mir hinaus, während ich gegen die Wand lehne und versuche gleichzeitig zu begreifen und zu vergessen.

Einmal kurz kann ich spüren, wie Lust in ihm hochkocht, gegen meinen Körper brandet. Aber dann bringt er die Aufgabe mit stoischer Anmut zuende. Ein wenig Schaum kräuselt sich im Abfluss, und ein Handtuch tupft meinen Körper trocken, als wäre er unendlich kostbar und zerbrechlich. Verzaubert stehe ich nackt vor meiner vermeindlichen Unschuld und frage mich, wie in aller Welt ich jetzt ficken soll.

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