Tempowechsel

Veröffentlicht 20/04/2013 von Miss Universe
Recht unvermittelt packt er mich auf dem Weg und gibt mir einen dieser Küsse. Es ist dunkel und menschenleer, keiner stört, keiner macht mich nervös. Das heißt aber nicht, dass dieser Kuss Zeit hat. Ich sollte es vielleicht erwarten mittlerweile, aber es erwischt mich immer wieder unvorbereitet. Dieser Kuss ist Ficken.Es hat nichts mit Annäherung zu tun. Seine große, kraftvolle Statur, die schon in Ruhe eindrucksvoll ist, kommt über mich – entschlossen, tatkräftig und mit Dringlichkeit. Es ist eine Ganzkörperangelegenheit. Entweder drückt sein Arm mich an sich oder seine Hände packen meinen Kopf, richten ihn in die genehme Position und halten ihn schraubzwingenartig gespannt.

Es lässt sich nicht unter Zärtlichkeit subsumieren. Er küsst mich nicht, weil er mich gern hat, weil er mir nah sein will oder um Verbundenheit auszudrücken. Es gibt kein vorsichtiges Lecken, kein scheues Flattern oder sanftes Reiben der Lippen. Offen, feucht und drängend drückt sich sein Mund auf meinen. Im nächsten Moment ist seine Zunge in mir, fordernd und gierig. Sie wühlt sich an meiner entlang, schnell und kräftig,den Kontakt suchend auf der ganzen Fläche und sofort. Sein gesamter Körper reibt sich beinahe gewaltsam an meinem, dass mich nicht wundern würde, verhakten sich dabei die Gürtel und sprängen auf ob der eingesetzten Kraft.

Es ist nicht einmal Vorspiel. Es ist wildes Begehren, ungebremstes Eindringen, kompromissloses Besitzen. Wenn ich zurücktaumele, hatte ich Sex. Mich erstaunt, wie schnell und unvorbereitet das geht. Keine Hinführung, keine Dramaturgie, keine Steigerung – mitten hinein und geil. Mein Körper ist nicht überrumpelt, braucht keine Vorbereitung, ergibt sich in Sekunden und lässt sich vorbehaltlos überrollen von diesem puren, kraftvollen Akt. Wenn er sich irgendwann genauso entschieden losmacht, dann hat sein Gesicht denselben brennenden Ausdruck wie kurz vor dem Orgasmus.

Eine halbe Stunde später sind wir im Stundenhotel, und meine Erwartung ist, dass hier das gleiche passiert. Ich bin müde und spüre keinerlei Lust, aber ich erinnere mich an diesen Kuss, der innerhalb einer Minute den dringlichsten Wunsch nach Sex aufwirbelte. Ich ziehe mich aus und überlasse mich seinen Händen. Wieder überrascht er mich.

In langen Zügen fahren seine rauhen Finger über meine Schultern und meinen Rücken. So wie seine Küsse fast nie nach Zärtlichkeit schmecken, fühlen sich seine Berührungen äußerst selten so an, als seien sie nicht gerade auf der Suche nach Erregung und dem nächsten Kick. Jetzt ist so ein Moment, in dem meine angestrengten Muskeln nur ausgestreichelt werden. Trotzdem ist er mit der gleichen Intensität bei der Sache. Ich genieße, und diesmal hat das Wundern darüber, wie gut mir das tut, einen etwas bittereren Beigeschmack.

Jetzt bin ich so entspannt, so dankbar, so lustvoll, dass ich mit ungewöhnlicher Offenheit empfinden kann, wie sein Schwanz in mich hineingleitet, als ich mich auf ihm niederlasse. Auf einmal meine ich mit allen Nerven spüren zu können, wie er mich ausfüllt. Jede Bewegung wäre zu viel. Nur mit vorsichtigen Muskelkontraktionen taste ich und koste die Berührung aus. Und noch einmal staune ich, dass er still unter mir liegt, aufmerksam schaut und diesmal nicht meine Hüfte packt, um den Rhythmus zu setzen. Stattdessen hebt er nur irgendwann die Arme und gibt mir parallel genau den richtigen Druck auf die Brustwarzen, so dass sich ganz still und doch gewaltig der Himmel für einen Moment öffnet.

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