Async

Veröffentlicht 16/04/2013 von Miss Universe
Er steht hinter mir und gibt mir die kleine Peitsche. Noch während des Aufwärmens laufen die ersten Tränen der Erleichterung mein Gesicht herunter. Ich darf mich dem Schmerz überlassen, ich darf mich meiner Schwäche ergeben, und ich darf dabei sogar weinen. Er weiß, dass er ein bisschen durchhalten muss, und das tut er. Ich spüre, dass er er fertig sein will, dass sein Gefühl sagt „genug“, aber ich brauche noch einen Satz. Er spürt das und gibt ihn mir, auch wenn der letzte Schlag ein bisschen halbherzig ist.

Ich habe diesen Punkt erreicht, wo der Schmerz so groß geworden ist, dass ich dahinter zurücktreten kann. Ich ergebe mich, ich gebe mich auf, ich lasse mich in seine Arme sinken. Ich bin nicht ich, ich bin weniger als nichts, und doch werde ich sanft aufgefangen und festgehalten. Ich genieße diesen winzigen Moment. Es ist wunderbar. Dann kriege ich mein eigenes Rückholbändchen zu fassen und ziehe mich aus dem Sog ins Nichts wieder an die Oberfläche.

Ich weiß noch, wo oben ist. Ich kann mich aus der Umarmung wieder aufrichten, ich kann mir die Nase putzen. Ich krabbele aufs Bett, entschieden weiter zu machen und kann dem Pseudorebell sogar wieder in die Augen sehen, damit er weiß, dass alles gut ist. Er schaut mich an, auch noch von unten, und sagt: „Komm her, ich will Kuschelsex. Ich will Dich spüren.“

Ich bin klar genug, um bestens zu verstehen, dass er gerade härter sein musste, als ihm lieb ist. Ich kann mir vorstellen, dass er die vermeintlichen Schläge mit Zärtlichkeiten auslöschen will. Ich begreife das Bedürfnis nach Nähe. Aber er kann nicht sehen, wieviel Zug noch auf meinem Bändchen ist, wie stark der Sog noch meinen Körper noch immer im Griff hat. Wenn ich mich jetzt in seine Arme werfe, mir das Gesicht küssen lasse, dann gibt das keinen Kuschelsex, den ich sonst manchmal kann, dann gibt es die große Auflösung. Dann kann er sehen, wie er dem ausweglosen Tränensturm wieder Herr wird. Dann hat er ein schluchzendes Wrack an der Brust, das er irgendwie im Zeitrahmen und ansehnlich wieder aus dem Stundenhotel hinaus bekommen muss.

Es ist verführerisch. Ein Teil von mir möchte einfach nachgeben, den Kontrollverlust vervollständigen, alles aufgeben. Ich weiß, dass er das für mich tun würde. Es ginge, und wenn wir den ganzen Tag Zeit hätten, würde ich es vielleicht tun. Aber ich habe die Entscheidungsgewalt, und ich nutze sie. „Ich glaube, das geht jetzt nicht“, eröffne ich ihm wenig eloquent. Er versteht genug, um zu akzeptieren, lässt mich mich umdrehen und ihn stattdessen auf seine Füße schauend reiten. Das geht gut. Nach einiger Zeit habe ich mich wieder in der Gewalt und kann mich rückwärts an ihn schmiegen. Die Stunde nimmt ein gutes und getimetes Ende. Ich bin froh über meine Entscheidung. Als mich auf dem Heimweg ein gewaltiger, unaufhaltsamer Frühlingssturzregen durchnässt, muss ich lachen.
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