I kissed a girl

Veröffentlicht 03/04/2013 von Miss Universe
Dass ich Frauen manchmal attraktiv finde, war mir schon lange klar. Da ich mich aber nie fürchterlich in eine verliebt habe, war diese Erkenntnis nie drängend genug, dass sich daraus etwas Reales ergeben hätte. Das gleiche gilt für meine Tendenzen zu Exhibitionismus und SM. Nichts davon ist so essenziell für mein Seelenheil, dass ich diesen Einsichten hätte nachgehen müssen, um ein erfülltes Leben zu haben. Aber jetzt habe ich ein Paralleluniversum, meinen Abenteuerspielplatz mit dem Pseudorebell; und plötzlich erlangen diese vernachlässigten Vorlieben einen Status realisierbarer Versprechen.
Ich habe tatsächlich einen Pseudorebell mit einer ganz klassischen Dreierphantasie gebraucht, um meine ganzen Befindlichkeiten gegenüber Frauen überhaupt einmal halbernst wahrzunehmen. Ein Teil des Spaßes an Project Threesome besteht darin, dass ich wieder alles zum ersten Mal machen kann. Wie ein prägsames Gänseküken fange ich an zu verstehen, worauf ich bei Frauen stehe und worauf nicht. Ich erlerne Flirtverhalten völlig neu.Wie alles im Paralleluniversum ist es ein Spiel. Keine Ahnung, bei welchem Level man einsteigt, wenn man gleich auf einen Dreier losgeht. Aber es macht nichts, denn wir können ja gefahrlos scheitern. Wir sind Superhelden. So sind wir auch bei der Schönen gescheitert, von der wir wussten, dass sie auf Frauen steht und ab und zu auch mal auf Männer. Im festen Glauben an unsere Superkräfte haben wir sie überrumpelt und uns in unserer Unwiderstehlichkeit aufgedrängt. Aber weil sie eine großartige und großzügige Frau ist, nimmt sie uns den Angriff nicht übel, sondern schenkt uns nach wie vor ab und an fröhliche Abende. Zum Glück, denn ich weiß, dass ich die Schöne wahnsinnig schätze und höchst ungern verloren hätte wegen eines solchen Unsinns.

Neulich sitzen wir wieder weinselig zusammen. Die Schöne gibt geradezu unglaubliche Geschichten aus ihrer sexuellen Odyssee zum Besten. Und zumindest wir beiden Frauen sind dermaßen fröhlich betrunken, dass irgendwie passiert, was offenbar doch fällig war: Unsere Lippen finden zueinander, ohne dass ich sagen könnte, von wem die Bewegung ausging. Ich weiß nur: Es fühlt sich richtig an, verdammt einfach und richtig. In der Theorie ist es ein erstes Mal. Wenn ich darüber nachdenke, wie ich mich an die Küsse des Pseudorebellen gewöhnen musste, ist es beinahe unglaublich, wie selbstverständlich gut sich die Praxis anfühlt. Vielleicht haben wir auch alles aus dem Weg getrunken. Jedenfalls küsse ich sie – eigentlich ist es ein Kuss, der zu annähernd gleichen Teilen aktiv und passiv ist – und es ist einfach nur schön.

Ganz kurz am Anfang denke ich an den Pseudorebellen, der direkt gegenüber sitzt. Aber wir haben das oft genug zusammen phantasiert, dass ich mir keine Sorgen mache, dies könnte ihn überfordern. Er wird gebannt zusehen und schlimmstenfalls den Wunsch unterdrücken müssen, sich dazwischen zu drängen. Dann habe ich ihn ehrlich gesagt vergessen und spüre mit meiner alkoholbedingt eingetrübten Konzentrationsfähigkeit diesen weichen Lippen, einer Gesichtshaut ganz ohne Bartstoppeln und einer gleichermaßen zärtlichen wie fordernden Zunge nach. Was für ein kleiner warmer, weicher Mund. Was für ein zarter, geschmeidiger Hals.

Es ist ein Kuss, der sofort nach mehr schmeckt. Meine Hand greift in ihre Haare – auch so eine Geste, die man immerzu machen möchte. Ich streiche über ihren Rücken und an der Flanke wieder hinauf. Ich weiß nicht mehr, was genau mich davon abhält weiterzugehen, als meine Hand ihre linke Brust von unten erreicht. Bestimmt nicht, dass ich keine Lust hätte oder irgend etwas daran falsch wäre. Eher die leise Ahnung, dass es danach kein Halten mehr gibt. Ich bleibe noch ein wenig in diesen Kuss versunken, der auf so wunderbare Weise gleichzeitig zärtlich und aufregend ist. Dann tauchen wir weit genug auf, um irgendwie nach Hause zu gelangen – jeder in seins – und allesamt dort erst zu bemerken, wie betrunken wir eigentlich sind.

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3 Kommentare zu “I kissed a girl

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