Sehen und gesehen werden

Veröffentlicht 24/03/2013 von Miss Universe
Mich beim Sex blind machen zu wollen, ist in etwa so zielführend, wie einen Fisch zum Schwimmen zu bringen. Der Pseudorebell arbeitet im Gegenteil ein bisschen daran, mir hin und wieder die Augen zu öffnen, wie hübsch auch anzuschauen ist, was sich so herausragend gut anfühlt. Er selbst hingegen ist ein Augentier durch und durch. Er baut sich Dinge, die er sehen will und betrachtet alles so eindringlich, dass ich ob der genauen Musterung fürchten würde, er kenne jede meiner Cellulitedellen persönlich, sprühten seine Augen nicht im gleichen Zuge zuverlässig vor Begeisterung. Er guckt immer und sich alles genau an. Eine Pseudorebellendefinition für einen guten Orgasmus: „Ich konnte die Augen nicht offen halten, so sehr ich es auch versucht habe.“

Es ist kalt draußen, aber im Stundenhotel ist es immer schön warm. Trotzdem hat keiner einen Schal dabei, weshalb er jetzt sein T-Shirt über dem Kopf trägt und dabei aussieht wie in der Lynchszene eines schlechten Westerns. Ansonsten hat er sich folgsam entkleidet und steht nackt vor mir. Ich erzähle ihm, wie ich mich ausziehe – so nah wie möglich vor ihm und mit ein paar effektheischenden Geräuscheinlagen. Dann nähere ich mich noch weiter, so dass unsere Vorderseiten an wenigen Stellen auf Tuchfühlung gehen, und küsse ihn auf die Brust. Eine massive Gänsehaut breitet sich über seinen Körper aus. „Oh, kalt?“ frage ich besorgt, denn diese Form der Qual möchte ich ihm tatsächlich nicht zumuten. Er macht nur dieses „n-n“-Geräusch unter seiner Henkerskapuze, aber ich verstehe einiges: Die Gänsehaut hat nichts mit der Umgebungstemperatur zu tun, sondern ist dem quälend zarten Reiben unserer Häute zuzuschreiben. Die Tonlage ist hoch und die Lautstärke unterdrückt; es ist die Stimme, die er benutzt, wenn er ganz brav ist und tun will, was ich ihm sage. Die Antwort kommt schnell; ich soll weiter machen. Es passiert genau, was ich gehofft hatte: Er spürt viel genauer hin, wenn er nicht schauen darf.

Ich fahre fort ihn auf die Brust zu küssen und ernte ein genießerisches „Mmmh“. Meine Zunge umspielt seinen Nippel und er gibt ein keuchendes Stöhnen von sich. Ich mache weiter und er hört tatsächlich nicht auf, in hohen Tönen zu seufzen. Es macht mich unerhört an, seiner Lust an der Grenze zur Qual lauschen zu dürfen. Ich weiß, dass ihn jetzt Tausend Impulse durchfluten, seinem Begehren Geltung zu verschaffen. Aber er hält still ohne jede Fessel, der quadratzentimetergroßen Berührung ergeben, die ich ihm zugestehe. Und diese kleine Berührung löst so große, hörbare Dinge aus in diesem Riesenwesen, das sonst gern dreißig Mal mit voller Wucht seine Hüfte gegen meine schmettert, ohne auch nur mit der Wimper zu zucken. Ich hole einen in der eisigen Winterluft gut durchgekühlten Löffel aus meiner Tasche und ersetze ohne Vorwarnung meine feuchtwarme Zunge mit der kalten glatten Oberfläche aus Edelstahl – direkt auf seiner Brustwarze.

Er zieht Luft ein, und ich kann beinahe mitzählen, während er versucht zu verarbeiten, was gerade geschehen ist. „Kalt“, stellt er zutreffend fest. „Ja“, beruhige ich und kann selbst mit der Zunge spüren, wie eisig die Haut noch jetzt an der Stelle ist. Das Heiß-Kalt-Spiel trägt noch einige Male, bis der Löffel warm und der Überraschungseffekt verloren ist. „Leg Dich hin!“ Er stolpert blind in Richtung Bett und legt sich folgsam auf den Rücken. Ein paar Mal rutsche ich mit meiner Vorderseite über seine Brust und Bauch. Er stöhnt immer noch so herrlich. Dann gleite ich hinunter zu seinem Schwanz.

Ich liebe den Moment, wenn ich zum ersten Mal meine Lippen darüber schieben darf, und diesmal kann ich hören, dass er ihn auch liebt. Manchmal habe ich den Eindruck, ich darf seinen Schwanz gnädigerweise lecken, weil ich es eben so gerne tue, auch wenn er sich gerade Besseres vorstellen könnte. Aber jetzt kann ich hören, wie er jede Berührung genießt. Wie er fast wimmert vor Vergnügen, wenn ich meine Zungenspitze an diese besonders empfindliche Stelle schnellen lasse. Wie es kaum auszuhalten ist, wenn mein Schluckreflex sich um ihn schließt. Und wieder macht es mich unerhört heiß das zu hören.

Ich rutsche ein Stück höher und nehme ihn in mich auf. Noch ist er so brav und bin ich so diszipliniert, dass ich ihn milimeterweise auskosten kann. Ich dränge mich mit Muskeln und Gewichtsverlagerung an ihn und stimme mittlerweile ein in das Seufzkonzert. „Darf ich zusehen?“ fragt er so schüchtern und bittend, dass ich nicht anders kann, als ihm gnädig das Shirt vom Kopf zu ziehen und mich an diesen ergebenen blauen Augen zu berauschen.

Eine halbe Stunde und ungezählte Stellungen später schenkt er mir genau so einen Orgasmus, bei dem er die Augen schließt. Ich bin glücklich und bereit mich aufzuraffen, als sein Mund noch einmal meine Brust findet. Er leckt, presst, drückt, nagt und beißt an meinem Nippel, dass ich keine Wahl habe. Ich werde so geil davon, ich muss mir die Hand zwischen die Beine schieben. Meine Lippen verbeißen sich irgendwo in seinem Arm, und so komme ich tatsächlich noch einmal, heftig und zuckend. „Schön“, stellt er fest, worauf auch immer bezogen. Er streicht mir über die Hand und zieht sie zu sich herüber: „Aber was mache ich jetzt damit?“

Meine Finger umfassen ungläubig eine mächtige Erektion. Wo hat er die denn jetzt wieder her? Zum Glück war auch seine nur eine rhethorische Frage. Seine Hand umschließt meine, die seinen Schwanz hält und gemeinsam wichsen wir ihn. Im nächsten Moment wundere ich mich, dass auch ich mich davon auch schon wieder erregen lasse. Die freie Hand wandert über meinen Körper, halb um mich selbst zu streicheln, halb um ihm meine Brust zu zeigen – denn er starrt mich schon wieder gierig an…
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3 Kommentare zu “Sehen und gesehen werden

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