Stockholm-Syndrom

Veröffentlicht 19/03/2013 von Miss Universe

Mal wieder ohne Plan losgelaufen, probierten wir beide die Oberhand zu gewinnen. Manchmal gelingt es mir – oder wahrscheinlich sollte ich sagen: gelingt es ihm, mir die Illusion machen – den großen, starken Pseudorebell in Demut zu zwingen. Heute nicht. Er entscheidet sich, mein Wichsen nicht als Geschenk, sondern als Tribut zu betrachten.

Als er genug hat, wirft er mich rückwärts aufs Bett und kommt so entschlossen über mich, dass ich Angst bekomme, er könnte mir weh tun, weil niemand mich auch nur ein bisschen erwärmend berührt hat bisher. Ich mache aus der Not eine Tugend und lasse ihn mit meinen Schenkeln kämpfen. Er ist stark genug sie aufzubrechen , aber er müsste sie auch so halten können, um einzudringen. Ich lasse ihn gewinnen und wundere mich, wie gering der verbleibende Widerstand ist. Dass ich alle Muskeln anspanne, um zuzumachen, spürt er gar nicht. Dass ich offensichtlich bar jeglicher Berührung wunderbar feucht bin, war mir nicht klar.

Trotzdem bin ich unterlegen und noch immer halb in meiner eingebildeten Angst verstrickt. Er stößt mich triumphal und alles andere als zärtlich. Er zerrt mich zielgerichtet in die Positionen, wo der Winkel ihm erlaubt, mich besonders tief und schmerzhaft bumsen. Ich kann nur hoffen, dass es irgendwo in seiner klaren Seele einen doppelten Boden gibt, hinter dem mein hilfloses Gewimmer dunklen Anklang findet.

Es scheint so zu sein, denn er lässt mich aufstehen – und zu meiner Verwunderung nicht, um mich noch härter und hemmungsloser von hinten zu nehmen. Stattdessen lässt er mich stehen und verschwindet hinter meinem Rücken. Dann streichen die weichen Lederschwänze des Floggers über meine spitzen, empfindsamen Brustwarzen. „Na, das fühlt sich gut an, ne?“ Ja, tatsächlich, die Berührung ist irrsinnig gut. Aber ich weiß, das ist nur der Vorbote für weitere Schmerzen nud ich habe nach wie vor Angst.

Die ersten Schläge sind unangenehm. Die Haut ist kalt und ich fürchte mich. Der Typ hinter mir hat sich eben als nicht gerade zärtlich dargestellt. Ich zittere unter der Vorstellung, dass er mir Schmerzen zufügen will. Aber das dauert nur kurz. Schnell merke ich, dass er rhythmisch wird. Meine Haut wird warm und ich erspüre die Kontrolle dessen, was in meinem Rücken geschieht. Das ist der Pseudorebell, und er würde mir niemals wirklich weh tun. Wie zur Bestätigung streichelt er mich zwischen den Schulterblättern.
Dann kann ich den Schmerz genießen. Ich bin offen, er geht durch mich hindurch. Ich löse mich von der Kontrolle der Situation. Ich löse mich von der begrenzenden Wirkung des Schmerzes. Tränen lösen sich aus meinen Augen und waschen den Rest meiner lästigen Existenz fort. Ich empfinde tiefe Dankbarkeit, alles loslassen zu dürfen. Weinen zu können, ohne sofort beruhigt, getröstet, gestoppt zu werden, ist eins der größten Geschenke, die er mir machen kann.

Natürlich brauche ich genau das trotzdem. Es gibt den Moment, wo ich in seine Arme sinken und gehalten werden will. Wo ich es wirklich nötig habe und genau dieses Auffangen mit der gleichen heißen Dankbarkeit empfange wie vorher das Aufschieben desselben. Und alles vorher geht, weil ich weiß, dass ich es bekomme. Ich habe keine Ahnung, wie er den Moment findet. Mir ist schleierhaft, wie er keine Angst haben kann ihn zu verpassen. Ich kann mir nicht vorstellen, wie auch nur ein Teil meiner Empfindungen von außen wahrnehmbar ist, um zu wissen, wie es gut ist. Aber irgendetwas lässt mich vertrauen, dass er das kann. Und für mich tun will. Und er tut. Und macht alles richtig. Und tut so gut. Danke.

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