Artikuliert

Veröffentlicht 10/03/2013 von Miss Universe
Er hatte mir eine Session beschert. Ich hatte nackt am Türrahmen gefesselt gehangen, als er hinter mir stand und bedrohlich feststellte: „Du schwitzt ja.“ Er hatte mich seine Füße küssen und Schläge zählen lassen, und es war gut gewesen.

Dann sitzen wir bei einem Pausenbier. Der Wechsel ist leicht und beinahe unbemerkt: Ich komme so zu sitzen, dass ich ihn überrage auf dem Sofa. Mir fällt wieder auf, wie sehr ich diesen Blick mag, wenn er ein wenig zu mir aufschauen muss. Und ich bin angenehm entspannt. Anders ist auch nicht zu erklären, dass ich ungefiltert anfange auseinanderzunehmen, was gerade geschehen ist. Ich äußere gedankenlos und deutlich, dass diese Schläge mir nicht das gegeben haben, was sie mir geben könnten. Ich fasele und stammele unüberlegt, während ich auch für mich erst einmal zu fassen versuche, was ich eigentlich möchte. „Länger, ich brauche mehr Zeit“, werfe ich ihm hin. Und: „Es geht mir weniger um den Schmerz an sich. Ich will das dahinter. Wenn ich mich dem ergebe.“

Der Pseudorebell liegt weiter hingegossen auf diesem Sofa, trinkt sein Bier, hört meinen halbverdauten Erkenntnissen zu und sagt irgendwann: „Ich habe das gerade verstanden.“ Dann starten wir Runde zwei und er macht einfach alles richtig. Wie schon auf dem Tisch schafft er es, mir gerade so weh zu tun, dass ich den Schmerz nicht mehr beherrsche, sondern er mich, dass ich aber gleichzeitig das Zutrauen habe, dass mir kein Unglück geschieht. Ich muss ganz loslassen, mich der großen Geißel ergeben. Ich nehme den Schmerz an und löse mich auf. Und dann tritt er irgendwann heran und gibt mir mit einer zärtlichen Geste alles wieder. Diese Berührung holt mich zurück aus dem Nichts. Das große, saugende, furchteinflößende Vakuum ist gebannt im zusichernden Schutz seiner Arme. Glück.
Ich bin in diesem Moment unendlich dankbar für diese Erfahrung. Ich bin glücklich berauscht, dass ich so weit in den Abgrund sehen kann, weil ich weiß, dass ich wieder herauf geholt werde. Und mit etwas Verspätung bin ich fast noch dankbarer für meinen lernwilligen Partner, dem man nach einer guten Session gedankenlos erzählen kann, was sie noch besser machte, ohne dass er sich angegriffen fühlte. Der mir zuhört und versucht umzusetzen, ohne Angst vor dem Scheitern. Mit dem Kommunikation kein Eiertanz um verletzte Gefühle ist, sondern ein Werkzeug. Und der mit mir auf diese Entdeckungstour geht – immer und immer wieder.
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2 Kommentare zu “Artikuliert

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