Miss Universe im Rudel

Veröffentlicht 02/03/2013 von Miss Universe
Getreu der Devise alles auszuprobieren, haben wir eine Sexparty besucht. Location war ein Swingerclub, am „Pärchenabend“ haben wir aber zumindest keinen Tausch bewusst miterlebt. Zu sehen gab es trotzdem einiges, es war nämlich voll – mit überwiegend jungen Menschen in zumeist äußerst knapper Bekleidung. Die allermeisten sehen aus wie extrovertiertes Partyvolk und benehmen sich auch so. Einige stehen zurückhaltender am Rand.

Der „Club“ erstreckt sich über drei Etagen, wovon zwei dem Bar- und Diskobetrieb vorbehalten sind. Wir sind ein bisschen überrascht, wie armselig das ausgestaltet ist. Die Einrichtung ist alt, zusammengewürfelt und lieblos. Die Beleuchtung ist schlecht bis scheußlich, und die unerträgliche Tanzmusik wird von einem zugleich gelangweilten und verschämten Studentenjüngling eher abgespielt als aufgelegt. Wir fühlen uns, als hätten wir eine Zeitreise in unsere schlimmsten Provinzvergangenheiten unternommen. Immerhin gibt es Getränke.

Die dritte Ebene ist nicht weniger stillos, aber hier fehlt uns jeglicher Vergleich und wir sind am neugierigsten. Es gibt einige mit Vorhängen abgetrennte Separées, in die ständig von Vorbeiströmenden hinein geschaut wird und die ohnehin immer mehr als einen „Liegeplatz“ enthalten. So voll, wie es ist, ist überall etwas los. Es erinnert stark an südamerikanische Jugendherbergen, wo möglichst viele Kojen auf möglichst wenig Raum bei schlechter Beleuchtung untergebracht sind. Immerhin gibt es jede Menge frische Handtücher.

Irgendwie ist es so voll, dass ich versäume, einen eigentlich geplanten Programmpunkt wahrzunehmen, nämlich einfach mal zuzuschauen. Sobald man sich ein Plätzchen ergattert hat, fühlt man sich verpflichtet loszulegen. Und das geht bemerkenswert einfach. Wenn alle um einen herum nackt sind, küssen, lecken, ficken, stöhnen, dann vergisst man erstaunlich schnell die jahrzehntelang trainierten Hemmungen, solch intime Dinge direkt vor oder neben anderen Menschen zu tun. Kurz kriege ich Angst bei der Betrachtung, wie stark solche Gruppendynamiken wirken können: Das erklärt einiges in der Geschichte. Doch dann ist Schluss mit Reflektion.

Mich stört jedenfalls gar nicht, dass es andere Paare links und rechts von mir auch gerade tun. Mich stört nicht, dass hin und wieder jemand zuschaut. Das ist eher, wie erwartet, ganz attraktiv. Da ausschließlich Paare da sind, scheint es aber niemand wirklich aufs Schauen angelegt zu haben. Alle sind viel mehr mit sich selber beschäftigt. Und auch das hat irgendwie etwas. Man kann immer mal wieder den Blick schweifen lassen auf mehr oder minder schöne Körper in unterschiedlichen Graden von Erregung und Innigkeit verschlungen. Vor allem kann man sie die ganze Zeit hören. Es ist heiß,eng und Sex überall.

Der eindrücklichste Moment des Abends ist bezeichnenderweise der, in dem der Pseudorebell über mir ist und wir uns in die Augen sehen, wie um sicherzustellen, dass es hier um uns geht und wir keinesfalls beliebig sind. Der einzige komische rote Laserspot in dieser Matratzengruft zeichnet hyperrealistisch die dichten Schweißperlen auf seinem Gesicht nach, es ist unterdessen irre heiß. Ich fühle mich angeschaut und besonders. Und ich bin überaus dankbar, dass ich mir das hier mit ihm so entspannt und frei ansehen kann, und mich genauso freiwillig und wonnig in seinem Fokus versenken kann.

Ich freue mich an der irritierend großen Auswahl an Duschgels, Shampoos und sonstigen Hygieneartikeln in der beigefarbenen (ja, genau) Gemeinschaftsdusche, die in so seltsamen Kontrast zur sonstigen Spartanität steht, und werde wohl noch ein paar Tage sacken lassen müssen, was mir diese Erfahrung bedeutet.

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