Schwäche

Veröffentlicht 24/02/2013 von Miss Universe
Das ist keine Fesselstunde. Er bindet mir die Hände über den Kopf auf den Rücken. Dann beginnt er, sich an mir auszutoben. Ich liebe es, wenn es sich anfühlt, als käme eine Naturgewalt über mich. Dieser Kitzel, wenn man sich einer riesigen, saugenden Welle ergibt, weil man sich sowieso nicht wehren kann und weil es so befreiend ist, sich dieser Kraft zu überlassen. Es ist wunderbar, die gewaltige Stärke zu spüren und den wilden Eifer. Dicke Schweißtropfen fallen von seinem hell erleuchteten Gesicht. Gleichzeitig weiß ich irgendwo, dass er mich nicht ertrinken lassen wird. Ich bin sofort abgetaucht. Tief.

Sogar noch beim Bier danach hat sich meine eigene Stärke irgendwo in einem Winkel verkrümelt. Der Pseudorebell lässt mich weiter über Schwächen und Dummheiten reden, bis ich mich irgendwann ernsthaft frage, ob das hier eigentlich noch Miss Universe ist oder ein anderes Alter Ego, das an ihrer Stelle meine Zweifel und Komplexe spazieren trägt. Mein Kopf zieht die falsche aber naheliegende Verbindung zwischen erotischer Unterwerfung und persönlicher Schwäche, und mein Selbstbewusstsein geht schon mal zum Heulen in den Keller.

Der Pseudorebell hat mir zugehört, wie er eben zuhört: mit sehr wenigen Kommentaren, aber sehr aufmerksam. Manchmal zitiert er wochenlang später eine ganz beiläufige Bemerkung. Er versucht zu verstehen, und ich fühle mich ernst genommen, ohne bedrängt zu werden. Ich kann ihm gut erzählen.

Und dann geschieht das Wunder. Er schaut mich an und sagt: „Ich will dich nochmal flachlegen.“ Es ist genau das, was ich jetzt brauche. Ich weiß, er hat mich ernst genommen in meinem Gejammer, vielleicht sogar mehr als ich selbst. Ich weiß, wenn ich reden will, kann ich das tun. Ich weiß, ich lamentiere nicht an ihm vorbei. Aber egal, wie schwach und hässlich ich mich gerade fühle, egal, was gerade sonst noch zu schultern ist, egal, was hier wem auf der Seele liegt, es erzeugt bei ihm keinen Widerspruch zu diesem urtümlichen Begehren. Ja, wasche mich rein, indem Du mich alles vergessen lässt in der Hitze zwischen unseren Körpern. Es ist ganz einfach, und es tut so gut.

Der Pseudorebell thront über mir. Er hat seinen Schwanz in der Hand und wird mir zum zweiten Mal heute, seine Ladung quer über meine Vorderseite verteilen. Ich habe meinen Kopf unter ihn gewühlt und meine Zunge tut, was sie kann, um seinem begeisterten Po Widerstand und Reibungsfläche zu bieten. Leider sehe ich in dieser Position das Schauspiel nicht so gut wie vorhin, wenn er sich in einem stolzen Schöpfungsakt ergießt. Aber ich weiß ja, was passiert. Er benutzt mich und kommt in selbstherrlicher Begeisterung. Ich liebe das. Dann rutscht er ein Stück von meinem Gesicht, spürt nach und legt mir die schönen Hände an den Kopf. Er krault gedankenverloren in meinen Haaren am Hinterkopf, bis er sich die Kleenexkiste greift, um die Spuren seiner Kunst zu beseitigen.

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