Kontrollierte Gier

Veröffentlicht 26/01/2013 von Miss Universe
Der Pseudorebell kommt, wann er will. Ich begegne dem teils mit Unverständnis, teils mit Bewunderung: Bei ihm muss sich jeder Orgasmus im Bewusstsein anmelden, und er entscheidet über den Zeitpunkt, fast immer. Das ist ein Feature, von dem ich meistens profitiere. Im Stundenhotel kann ich sicher sein, dass noch genau fünf Minuten zum Anziehen bleiben, wenn er fertig ist. Ein Quickie in irgendeiner Nische ist dann auch einer. Er baut tatsächlich noch einmal um, damit ich ihm zuschauen kann, oder verteilt sich in voller Absicht und Konzentration auf mir, als wäre er Jackson Pollock.

Manchmal fordert mich das heraus. Schaffe ich es, dass er die Kontrolle verliert? Kann ich ihn so reizen, dass er sich ergeben muss? Ich kann es nicht. Mit der simplen Logik „Wenn ich jetzt nicht komme, kann ich länger ficken“ verschiebt er seinen Höhepunkt immer weiter – und wenn er mich dafür kurz immobilisieren muss. Ab und an schleicht sich bei mir gar der Verdacht ein, das könne für ihn gar nicht so unkontrolliert geil sein wie für mich. Und seine Ausdauer lässt sich auch als Zeichen deuten, dass er arbeiten muss, um dort anzukommen. Aber das ist Quatsch, er ist mit einer solchen Begeisterung dabei, und an der strikten Angemessenheit zur Situation lässt sich klar Absicht erkennen.

Jedenfalls ist das die Vorgeschichte, die vielleicht erklärt, warum es mich so sehr beeindruckt, wenn es mal anders läuft. Als ich ihn neulich fast über die ganze Stunde um jede direkte Stimulation betrog, als ich mich wunderte, dass er tatsächlich brav genug war, seine Hände und Zunge meinem Willen zu fügen, als ich ihn zur Langsamkeit zwang und gänzlich davon abhielt, sich seiner Naturgewalt fügend mit dem ganzen Körper verlangend über und in mich zu kommen, da war ich sicher, er würde das im Anschluss mit Wonne umkehren. Ich hatte erwartet, dass ich zum Ersticken geküsst, von fordernden Händen überall ergriffen, heftig und vor allem ausgiebig gefickt würde, dass er sich mit Gewalt die Hoheit zurück holt.

Aber nichts dergleichen geschah. Als ich ihm „erlaubte“, mich endlich zu nehmen, kam er langsam und genüsslich über mich und letztlich so schnell, dass ich ihn ungläubig, fast bestürzt ansah. Konnte es wirklich sein, dass mein Quälen fast ohne Berührung ihn so scharf gemacht hatte, dass es ihm kam, ohne dass er mich ausgiebig gefickt hatte?! Ich war mal wieder gerührt und im Nachgang belustigt über die Feststellung, dass er mir tatsächlich mit einem schnellen, unerwarteten Orgasmus eine solche Freude machen kann.

Es war schon langsam Zeit fürs Aufstehen und ich bückte mich – zugegeben ein wenig provozierender als nötig – nach der vom Bett geflogenen Kleenex-Packung. Schneller als ich denken konnte, war ich von hinten vom Pseudorebell umklammert. Keine Ahnung, woher er so schnell wieder eine Erektion gezaubert hatte, aber ich hatte sie unzweifelhaft in mir. Und da die Uhr bereits tickte, war diese Nummer – diesmal ganz wie zu erwarten – kurz und heftig. Manchmal glaube ich, das Pseudorebellentiming geht so weit, dass er auch abschätzt, ob er in der einen Stunde ein zweites oder drittes Mal kann und will.
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