Kein erstes Mal

Veröffentlicht 19/01/2013 von Miss Universe
Morgens gab es noch Überlegungen zu einem Szenario mit dreister Handwerkerverführung, aber dann macht der Pseudorebell auf dem Hinweg ein Geräusch, das mir sagt, dass es nicht der beste Tag sein wird, ihm am Anfang Schauspielerei aufzunötigen. Keine Ahnung, ob es empfehlenswert ist, einen Anflug von Schwäche für Dominanzspielchen zu nutzen, aber ich beschließe, es zu probieren.
Es funktioniert. Anstatt mich dem, was passiert und von dem ich gelernt habe, dass es einfach und automatisch passiert, hinzugeben, steige ich auf einen Stuhl. So bin ich um einiges größer als der Pseudorebell, und er versteht sofort, sieht mich von unten folgsam an. Er soll sich ausziehen und dann mich. Das hat er Hunderte Male getan – es ist erstaunlich wie anders es sich anfühlt. Jetzt zerrt er mir die Kleider nicht in wildem Begehren vom Leib oder versucht, es möglichst sinnlich und verführerisch zu tun. Er tut es sehr genau und gewissenhaft. Er pflückt mir die BH-Träger vorsichtig und symmetrisch von den Schultern, als spielte er Mikado. Er wagt nicht, mich nach eigenem Gutdünken zu berühren. Und so gerne ich mich oft genau diesem ausgeprägten Wollen überlasse, so sehr genieße ich jetzt, dass genau dieser starke, impulsive Kerl sich freiwillig und vollständig meinen Anweisungen unterordnet.
Da es neulich so gut klappte, habe ich mir ein neues sinnloses Spiel für ihn ausgedacht, bei dem er tatsächlich brav Zahlenreihen aufsagt, immer neuen Regeln gehorchend und seine eigenen Peitschenstreiche annoncierend. Er zählt, ich schlage. Erstaunlich lange, bis er genug hat. Da er knien musste, lasse ich ihn dann auf dem Rücken liegen, merke aber schnell, dass meine endlosen Lippenwanderungen über seine Brust, seinen Bauch und über seinen Schwanz in ihm eine Ungeduld wachsen lassen, die ich noch nicht haben will. Er soll so unnatürlich still und empfänglich bleiben, und ich weiß, wie das geht.
Er muss wieder knien und ich widme mich seinem Arsch. Natürlich wird er nicht feucht, aber es fühlt sich an, als genügte schon das Klacken des Gleitgeltubendeckels, damit er meinen Finger spüren will. Da ist keine Spannung, die aufgelöst werden muss, da ist kein Aufwärmen und Wunsch Wecken erforderlich. Ich gebe ihm meinen Daumen und er stöhnt wie „endlich“. Es gab eine Zeit, da war dies ein Weg, ihn in eine sehr abwartende, ausgelieferte Stimmung zu versetzen. Aber was als ein annehmendes Mitschwingen begann, wächst sich gerade aus an meinem Finger. Der Kerl will richtig gefickt werden.
Mir fällt der Strap-On ein, der seit einigen Wochen als Steigerungsoption in meinem Rucksack reist, und ich lasse tatsächlich von ihm ab und hole das Ding heraus. Es bekommt eine große Portion Gel und ich bemerke, dass ich es werde ein wenig wärmen müssen, bevor ich den Pseudorebell damit traktiere. Ich knie also da, in der einen Hand einen glitschigen Gummipenis, und lasse die andere wieder an seinen Po wandern. Die eben noch vermisste Anspannung ist jetzt da. Ihm ist nicht entgangen, was ich gerade vorbereite, und wahrscheinlich ist es leicht beunruhigend, wenn man zum ersten Mal gefickt werden soll.
Aber hej, hier ist mein Finger, den magst du. Und wirklich, innerhalb von Sekunden sind wir über diese Schnittstelle aufs Innigste verbunden. Ich spüre, wie er sich gegen meinen Druck bewegt, ich spüre sein Inneres. Ich höre, wie er genießt und lasse meine Fingerspitze in dem kleinen Radius, den sie hat, wandern. Ich schiebe vor und zurück, ich lasse kreisen, ich klopfe zart, ich drücke und versuche fasziniert herauszufinden, was ich da jeweils auslöse. So genau verstehe ich es nicht, aber es ist in jedem Fall einiges. Und ich will meinen Fühler nicht aufgeben. Ich will weiter machen, ich will spüren, ich will in ihm sein. Ich lege meinen schmierigen Strap-On zur Seite. Es wird ein anderes Mal werden.
Wir wogen hin und her in die Empfindungen vertieft, immer mehr, immer wilder. Und plötzlich richtet er sich auf. Diese Position verringert mir Armradius und -kraft, aber die Geste kompensiert anders. Ich habe nicht mehr nur diese eine Schnittstelle. Ich berühre ihn auf ganzer Länge. Meine Brüste drücken sich gegen seinen Rücken, meine andere Hand wandert um ihn herum, ich küsse, was in Reichweite kommt. Ich habe seinen Kopf wieder. Später drücke ich mein Staunen aus über sein intensives Körperfeedback, all die Bewegung, die diesem Akt innewohnte, was er mit der hübschen Bemerkung kommentiert: „So geht Sex. Man bewegt sich. Du liegst ja auch nicht nur auf dem Rücken.“
Mich berauscht, was da gerade geschieht. Ich bin nicht mehr über ihm. Ich bin meilenweit davon entfernt, ihn mit diesem Strap-On zu ficken. Ich bin irgendwie mit ihm verwickelt. Und als er sich langsam umdreht, mich sanft rückwärts in die Kissen drückt, ist es kein Switch, der da passiert, es fließt einfach weiter. Er kommt über mich mit dieser Ruhe und Zärtlichkeit, fast wie an jenem schönen Sommertag, die eine kaum auszuhaltende Intensität erzeugen. Ganz langsam gleitet er in mich, bewegt sich eher schwimmend als stoßend, starrt mich an, als wäre ich mindestens der Mittelpunkt des Universums, greift mir an den Kopf, atmet an mein Ohr und kommt einfach so – ohne Kick, ohne Kink, ohne Katharsis aus diesem Moment heraus. Ich starre ihn an, ich kann diesmal nicht schreien und vor Lust alles vergessen. Ich muss  alles fühlen und spüre, wie sich die Empfindungen anstauen, bis sie den einzig verbliebenen Ausweg finden und in heißen Tränen auf seine Hand hinabfließen, die immer noch mein Gesicht hält.
Mit leicht belegter Stimme erzählt er mir: „Weißt Du, ich bin gerade schon fast gekommen.“ In dem Moment begreife ich gar nichts. Ich habe ihn kommen sehen, so schön dass es nicht zum Aushalten war, in einem überirdischen Augenblick, den ich noch gar nicht gehen lassen kann. Erst Tage später wird mir langsam klar, wie besonders es für ihn sein muss, einem Orgasmus so nahe gekommen zu sein, ohne dass sich jemand um seinen Schwanz gekümmert hätte.
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2 Kommentare zu “Kein erstes Mal

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