Vogelhausflash

Veröffentlicht 07/01/2013 von Miss Universe
Es ist einiges zusammen gekommen: Wir befinden uns in Runde zwei im Stundenhotel, weil die Aftershow in einen Kuss mündete, der keinen anderen Ausgang mehr zuließ. Ich bin ganz gut betrunken, weil wir uns lange genug zu erzählen hatten, um einige Biere in unsere ausgepowerten Leiber zu gießen. Er hat mich in den vielleicht 15 Minuten seit wir wieder eingecheckt haben, im Eiltempo über ganze Bergmassive meiner ekstatischen Rasereien gejagt. Ich habe so laut gebrüllt, dass der Pseudorebell mir sogar hier mahnend ein „Pssst“ auf die Hinterbacke geschlagen hat. Ich habe gelacht und gewimmert, ich bin durch.Jetzt liege ich leicht benommen auf dem Rücken und komme ein Stückchen wieder zu mir. Er fickt mich noch immer. Meine Beine ragen vor seiner Brust gerade nach oben. Er kniet vor meinem Schoß, hält mein Becken umklammert, das, obwohl ich längst genug habe, sich ihm immer noch reflexartig entgegen kippt. Aber entweder hat er mich inzwischen taub gevögelt oder der Winkel ist gerade ein gnädiger für mich. Jedenfalls spüre ich plötzlich nicht alles auslöschende Geilheit, sondern mit einem ganz merkwürdigen Fokus, wie die Haut seiner Oberschenkel gegen die Rückseite meiner Beine streicht.

Es fühlt sich verwirrend wunderbar an, und in meiner driftenden Wahrnehmung öffne ich tatsächlich die Augen. Während ich sonst meist alle anderen Sinne brauche und bevorzuge, um in meiner Lust aufzugehen, schaue ich mir das plötzlich an: erst zwischen meinen aufragenden Beinen hinauf – und einige Nerven melden auch kribbelnd, was ich dort sehe, nämlich dass der Pseudorebell gerade ein Drittel meines linken Fußes mit seiner heißen, feuchten, saugenden Mundhöhle bearbeitet – dann in den Spiegel.

Es liegt nicht am magischen Spiegel, der hängt nur in einem geschickten Winkel quer zum Bett. Es liegt an der Beleuchtung, dass was ich sehe einfach rasend schön ist. Es gibt im Stundenhotel nicht einen Teil der Einrichtung, der in irgendeiner Form auf Bedacht hindeuten würde. Alles ist hässlich, zusammengewürfelt und alt. Aber natürlich ist das professionell Erforderliche da: Es gibt immer Handtuch, Seife, Kondom; Kleenex. Und es gibt diese klassischen roten Lampen. In meiner Phantasie sind diese Leuchten spezieller Industriebedarf – wahrscheinlich kriegt man sie bei IKEA.

Jedenfalls verströmen sie ein Licht von überirdischer Gnade. In dieser Beleuchtung gibt es keine Hautunreinheiten. Jede Rundung ist noch ein wenig voluptuöser, jeder Schatten noch vielversprechender dunkel. Man sieht alle Schemen, aber keinerlei Kanten. Man findet seine Socken nicht, aber Haut leuchtet. In diesem Licht ergänzt das Gehirn zur Perfektion. Ich bin überzeugt, dass jeder verzweifelte Akt in diesen Zimmern schön ist.

Während man den Pseudorebell auch in unbarmherzig gleißender Mittagssonne als Renaissance-Kunstwerk ausstellen könnte, sähen wir gemeinsam in einem ausgeleuchteten Porno trotz unserer mainstreamhübschen Körper immer noch genauso bemüht und latent lächerlich aus wie alle Menschen bei der Kopulation.

Aber was diese Lampen aus uns machen ist von begnadeter Schönheit. Jeder Körper wirkt wie modelliert. In ausgeklügelter Geometrie verschlingen sie sich. Es sieht aus, als hätte Rodin flüssigen Marmor verwendet und eine zeitliche Dimension in sein Kunstwerk gewoben. Ich bin berauscht von der ästhetischen Perfektion dieser Szene – bis mir auffällt, dass ich mich gerade narzistisch an meinem eigenen Körper erfreue.
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