Ganz in dem Häuschen

Veröffentlicht 28/12/2012 von Miss Universe

Ich weiß gar nicht, warum es dazu seinerzeit, im Sommer, keine Geschichte gab. Wahrscheinlich wegen der minimalistischen Handlung. Und weil’s so neu und dicht war, dass ich keine Worte dafür hatte. Aber die Tatsache, dass ich mich jetzt wieder damit beschäftige, rechtfertigt mir die Dokumentation dieses Erinnerungsschnipsels.

Es muss so eine Woche gewesen sein, in der wir uns eh schon ein-, zweimal erlebt hatten. Ich erinnere mich noch deutlich an mein Kopfschütteln über die nie enden wollende Motivation des Pseudorebellen. Wo auch immer wir herkamen, er wollte mich nicht gehen lassen. Es war dunkel, aber für einen Sommerabend nicht spät genug, um einfach auf irgendeiner Bank zu bleiben.

Da war mal wieder ein Spielplatz und darauf so ein Häuschen, aus dem Vierjährige Sandkuchen feilbieten können. Der Wunsch ungestört zu sein, stopfte unsere ausgewachsenen Körper in diese Hütte, in der sich schon zwei kleine Sandbäcker mit Sicherheit ins Gehege gekommen wären. Es war eng, dunkel und denkbar unbequem. Ich trug mein Gewicht lange Zeit auf den Ellenbogen und den Hacken, der Pseudorebell harrte mit rundem Rücken und gebeugtem Kopf aus.

Ich bin versucht, es auf diese Platzverhältnisse im Häuschen zu schieben. Andererseits erinnere ich mich an sehr ähnliche Momente am Vorabend am Teich. Jedenfalls war bemerkenswert still, seinerzeit geradezu beunruhigend still, was dann passierte oder eben gerade nicht passierte. Wir kannten wilden, hemmungslosen, in meinem Fall beinahe besinnungslosen Sex auf der einen und vergnügt kumpelndes Miteinander auf der anderen Seite, wenn gerade mal Pause war.

Aber das war neu. Wir waren dicht aneinander, beinahe gestapelt. Es gab nichts zu hören außer jeder einzelnen Unebenheit im Atem des anderen. Der Pseudorebell nennt es Mikrolaute, die waren überall in der Hütte. Ich gab mich der Zunge und den Händen des Pseudorebellen hin und begann zu genießen. Er hatte keinen Bewegungsspielraum, aber wieviel Spürung – noch so ein Pseudorebellenwort – kann man auf fünf Quadratzentimetern Haut erzeugen?! Mein stürmischer Liebhaber war eingeschränkt in seinen vertraut großen, energievollen und ungestümen Gesten, aber mein Genuss war alles andere als reduziert.

Anfangs fühlte ich ungläubig die Sanftheit der Berührung, registrierte sie minutiös in der Erwartung des leidenschaftlichen Sturms, der über mich hereinbrechen würde. Das war doch eine Herausforderung für den Pseudorebellen. Auf wie viele Weisen konnte er mich unter diesen Bedingungen zum Orgasmus überreden? Welche durchgeknallte, aber geile Stellung würde sich auf diesem Kinderbänkchen ergeben? Wann würde ich so laut stöhnen, dass doch ein Passant zu meiner Rettung käme?

Aber nichts dergleichen geschah. Er machte einfach immer weiter. Ohne überschäumende Geilheit. Ohne ein Ziel zu haben. Ohne Neuigkeiten und Überraschungen. Und hinterließ mich umso ungläubiger. Was war das für eine schwimmende Zärtlichkeit? Wieso hatten wir keinen energiegeladenen Sex vom anderen Stern, sondern ganz ausgedehnte sanfte Berührungen? Wo war der Rausch, in dem wir einander konsumierten wie ausgehungerte Tiere?

Nichts dergleichen geschah. Was geschah, war, dass mein Körper annahm, was er da bekam. Ich wurde noch ruhiger. Ich hörte auf nachzudenken. Ich hörte sogar auf mich zu wundern. Ich spürte einfach nur hin auf das, was mir angedieh. Eine gefühlte Ewigkeit ließ ich mich streicheln. Ich tat nichts als genießen im plötzlichen Wissen, dass nichts anderes von mir erwartet wurde. 100 % Empfang, die unbändige Miss Universe auf Sendepause. Selbst das schlichte Verweilen seiner Hand noch auf meinem Bauch berührte Schichten von mir, wo der Pseudorebell bisher nie etwas verloren hatte.

Ich ging aufs Schönste aufgelöst, aber auch leicht verwirrt und erschüttert. Das Paralleluniversum ist laut, wild, rauschhaft und bisweilen obszön. Aber wenn man es in ein winziges Häuschen steckt, wird es plötzlich ausgedehnt still und zärtlich.
Sieh an, wir können nicht nur Urknall, sondern auch Undendliche Weiten…

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