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Veröffentlicht 18/12/2012 von Miss Universe

Es ist mal wieder magisch gut. Das Licht stimmt. In der Mitte des Raumes steht der Pseduorebell vor mir, die Arme ausgebreitet und an die Dachbalken gebunden. Sein weißer Oberkörper ist nackt. Ich habe ihn geschlagen, von hinten, von vorne, und die rauhe Winterhaut hat sich unter der Bestimmung des Leders immer wieder zusammengezogen wie zu einer Gänsehaut. Jetzt leuchten die Streifen hellrot aus dem Schnee überall auf den Schultern, der Brust, den Lenden.

Er will noch mehr und ich will ihm noch mehr geben, aber sein Oberkörper glüht in so schöner Symmetrie, dass ich es weder fertig bringe, die gleichen  Stellen weiter zu vertiefen noch Querstreifen anzulegen. Also stelle ich mich vor ihn, löse den Gürtel und schiebe ihm die Jeans hinunter in die Kniekehle. Sein weißer Arsch leuchtet verheißungsvoll auf. Ich dränge mich an seiner linken Seite vorbei, um mich meiner neuen Leinwand besser widmen zu können.

Den ersten Hieb habe ich schon gierig auf die linke Backe platziert, als ich ganz herum bin und mein Blick auf die rechte fällt. Der Anblick erwischt mich schutzlos. Ich stehe da in meinem Domina-Dress, martialische Folterinstrumente in der Hand, einen gefesselten nackten Mann vor mir und bis eben so souverän in der Situation, wie ich es mir noch vor einem Jahr nie hätte vorstellen können. Aber das überrascht mich und alle Fassung rattert durch mein Rückenmark hindurch fort.

Auf der makellosen weißen Haut seiner rechten Backe prangt zentral ein mit Edding gekritzeltes Nikolaushäuschen; und es rührt mich zutiefst. Mir ist schon klar, dass das keine bewusste Botschaft an mich ist. Die Zeichnerin spricht nicht wirklich zu mir. Es soll nicht heißen: „Eigentum von, betreten verboten“. Und doch wirkt es so. Wie auch immer es zustande gekommen ist, es nimmt mich ein für diese Frau, die ich nie kennengelernt habe. Ich stelle mir vor, wie sie wild, verspielt und selbstbewusst Striche auf seinem Körper zieht. Sie lachen beide; und ich habe so überhaupt keinen Wunsch, dass sie damit aufhören. Es ist gut und schön.

Ich glaube dem Pseudorebellen nur allzu gern, wenn er mir vergewissert, dass ich nichts wegnehme. Aber ich weiß auch, dass sie nicht wollen würde, was hier passiert. Für einen Moment stehe ich da in all meiner Schuld. Und natürlich ist es unsinnig und keinen Deut richtiger, aber ich lasse ihr die rechte Backe und begnüge mich für heute mit der linken. Komm Frau, er hat zwei – ich teile mit dir.

Und wie immer geht es so irgendwie weiter: ein bisschen blind auf dem einen Auge, mit ein bisschen verwackelter Selbstachtung, aber irgendwie passend und viel zu gut, ums zu lassen.

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