Um den Verstand

Veröffentlicht 15/12/2012 von Miss Universe

Ich habe neulich schon beschrieben, wie gern ich mich fallenlasse und alles um mich herum vergesse, wenn ich gefickt werde. Natürlich gibt es da Abstufungen. Wenn ich weiß, dass ich in der Tiefgarage stehe, beiße ich in meine Hand, um mich beständig daran zu erinnern, dass ich meinen Lautäußerungen nicht freien Lauf lassen darf. Wenn ich auf dem Wannenrand stehe, kann ich dafür sorgen, dass ich nicht durch willenlose Gewichtsverlagerung einen Unfall produziere.

Aber manchmal scheint es haltlos zu sein. Neulich war wieder so ein Tag, wo ich erst einmal ankommen musste. Ich weiß mittlerweile, dass es immer und in kurzer Zeit geht; und an diesem Abend ging es ungeheuer gut. Die Sprache war ganz schnell weg, als er über mich kam. Ich ritt mich in Trance, solange ich mich mehr oder minder aufrecht halten konnte, bald abgestützt auf seiner Brust, bald mich in alle Richtungen verbiegend vor Wonne. Wie lange wohl, hätte ich nicht annähernd sagen können.

Bis ich herunter fiel. Dann vergrub er seinen Kopf zwischen meinen Beinen, eine gefühlte Ewigkeit, eine unbegreifliche Zärtlichkeit. Ich lag auf dem Rücken, war irgendwo abgetaucht. Ich hatte keine Ahnung mehr, wo ich war. Er schrieb mir später, ich hätte so ausgelassen gestöhnt.

Da fing er erst an mich zu vögeln. Und eine Erinnerung daran habe ich eigentlich nicht. Vermutlich kam er zuerst über mich, zunächst langsam, dann heftiger. Ich hätte meinen Namen nicht mehr gewusst. Vielleicht zerrte er mich dann auf die Bettkante auf der Suche nach dem goldenen Winkel. Er muss ihn ein paar Mal gefunden haben. Ich war in hysterischer Raserei und das Stöhnen glich unterdessen eher hirnlosen Schreien.

Ich lasse diesen völligen Rückzug aller Kontrollinstanzen zu, weil er damit offensichtlich keine Schwierigkeiten hat. Seine Entdeckermentalität will immer wissen, was danach kommt. Und er findet immer wieder etwas, von dessen Existenz ich keine Ahnung hatte. Es stört ihn nicht, ein willenloses Ding in der Hand zu haben, das nicht mehr weiß, wo oben und unten ist. Vielleicht törnt es ihn sogar an, dass er eine Menschenfrau in ein dumpf empfindendes Tier verwandeln kann. Jedenfalls kann ich so loslassen.

Er bockte mich auf, um mich von hinten zu nehmen, eine Position, die mich besonders tief penetriert, in der er sich besonders schwungvoll austobt und in der ich nach vorne besonders hemmungslos schreien kann. Irgendwann reichte die Körperbeherrschung nicht einmal mehr für die instinktive Vierfüßlerstarre. Ich brach zusammen und er machte weiter.

Noch später war der Verstand nicht mehr bloß unterdrückt und aus, sondern verdreht. Ich fand mich wieder im Arm gehalten, tatsächlich eine Pause bekommend. Ich machte Geräusche, die dem hilflosen Versuch ähnelten, in meinem unartikulierten Begeisterungsgeschrei noch Lachen und Weinen unterzubringen. Ich hätte nicht einmal sagen können, ob das noch ein Gefühl war. Ich schluchzgackerstöhnte, während er mich festhielt, bis ich ein wenig ruhiger wurde. Dann machte er weiter. Und als der innere Pseudorebellenwecker zum Aufbruch gemahnte, war selbst der Autopilot zum Anziehen nicht abrufbar.

Irgendwann später entstieg ich der Katharsis erfrischt und befreit. Und nicht zum ersten Mal übermannte mich die Dankbarkeit, so einen Zustand hysterischen Irrsinns erleben zu können, ohne mich selbst als Zumutung dabei zu empfinden.

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