Miss Universe goes World

Veröffentlicht 04/12/2012 von Miss Universe

Irgendwie war es schon ein Schritt. Miss Universe ist ein Phantasieprodukt zweier heißgelaufener Gehirne. Sonst kennt sie keiner. Selbst für mich muss sie sich als realer Teil meines Lebens erst in Objekten manifestieren, bevor ich ihre Existenz anzuerkennen beginne. Und dann soll sie plötzlich aus dem phantastischen Paralleluniversum schlüpfen und sich in einer Welt mit anderen Menschen bewegen und verhalten: Wir haben beschlossen, ein Fesselfest in einer Szenelocation zu besuchen.

Zunächst hat Miss Universe nichts anzuziehen. Klar, hat man ja nie, aber in meinem Kleiderschrank gibt es bewusst nichts, das man auf einer Fetischparty tragen wollte. Für Begegnungen mit dem Pseudorebell taugt meine Alltagskleidung, dann hat sie sowieso schnell nichts mehr an. Also Shopping, aber überraschend unentspannt.

Strümpfe in einem unanständig weiten Fischnetzmuster kaufe ich noch mit der Abgeklärtheit, die mein eigenes Ich beim Kauf von Tools in einem Sexshop aufbringt. Aber ein sexy Kleid zu kaufen, das in einem Grade aufdringlich sexy ist, dass es mit meinen Wertvorstellungen von angemessener Kleidung nicht mehr in Deckung zu bringen ist, gestaltet sich als Mutprobe: Ich muss diese Dinger vom Kleiderständer nehmen, anziehen und vor den Spiegel treten. Ich muss meinen mittelalten Körper in dieser Aufmachung anderen Kunden zeigen und bei der Kassiererin mit meinem guten Namen zahlen. Es ist aufregend bis unangenehm das zu tun. Das bin nicht ich! Aber soll ich ja auch nicht sein. Und auf dem Fest gelten eben nicht meine Wertvorstellungen.

Die gleiche Vermischung entsteht auf dem Weg zum Event. Unter meinem Mantel zeigen sich sehr deutlich die monströsen Netzstrümpfe und die zierlichen Pumps, die ich zuletzt auf meinem Abi-Ball trug. Fremde Menschen starren mich an und kichern, ich hoffe inständig niemanden zu treffen, den ich kenne.

Dann bin ich da. Und ab dem Moment, wo ich an diesem Ort den Mantel von den nackten Schultern streife, ist alles gut. Ich bin Miss Universe, ich sehe heiß aus, und ich bin hier gut aufgehoben. Wenn mal ein Blick auf mich fällt, nehme ich ihn dankbar entgegen. Meine eigenen Augen lasse ich schweifen über Wesen, die Sexyness noch ganz anders definieren: den einen Typen im Ganzkörpergummianzug, den anderen bis über den Kopf in Latex gewandet mit weißer Schürze und ebensolchen Stiefeln mit 15 Zentimeter Absätzen, Frauen in aufregenden Korsagen oder gleich barbusig.

Und all diese Menschen feiern ein Fest, das bis auf die aus Seilen, Knoten und Dungeon bestehende Deko einer netten Familienfeier gar nicht unähnlich ist. Es gibt eine kleine Ansprache mit Wunderkerzen zum Jubiläum, man steht mit einem Getränk in der Hand herum und nascht saisongemäß Lebkuchen von Stehtischen. Nur sind alle extravaganter gekleidet, und wenn man in die ruhigeren Ecken sieht, sind überall Menschen in Fesselspielen engagiert.

Dann finden Performances statt. Es werden in unterschiedlichen Stilen Menschen gefesselt und an von der Decke herabhängenden Ringen in allen denkbaren und nicht denkbaren Positionen schweben gelassen. Ich bin fasziniert und – wie ich zugeben muss – auch berührt von den Darbietungen. Ich werde in den Bann der Seilmeister und -meisterinnen gezogen, die ihr Handwerk beherrschen und in einem Maße zelebrieren, das jede Bewegung unglaublich intensiv und präsent macht. Außerdem kann man sehen, dass sie nicht nur lieben, was sie tun, sondern dieses Gefühl auch ihren Fesselobjekten entgegen bringen. Ich starre fasziniert auf Frauen, die eine solche Hingabe ausstrahlen, dass man sofort mit ihnen tauschen will.

„Sieh mal, wie schön und glücklich sie aussehen“, flüstere ich dem Pseudorebell ins Ohr. „So siehst Du auch immer aus“, stellt er sachlich und ein wenig belustigt über meine Verwunderung fest. Und natürlich hat er Recht. Ich schaue so gerne zu, weil es mühelos an meine Erlebnisse mit seinem Knotentanz anknüpft. Ich kann spüren, dass diese Menschen das gleiche bei diesem Akt empfinden wie wir. Das ist so viel besser als Porno. Und es ist eine kleine Offenbarung, dass wir in diesem Erleben nicht allein sind, sondern irgendwie instinktiv den gleichen Modus gefunden haben.

Zwischen Fesselungen ziehen wir durchs Gebäude, schauen und hören, was die anderen so treiben. Ich war mir nicht sicher, ob ich das befremdlich, schwülstig oder anregend finden würde. Zumindest heute versetzt es mich in eine kribbelnde Dauererregung. Ich lasse mich tatsächlich mitnehmen von der erotischen Atmosphäre, es fühlt sich an, als schwömme ich in Sex. Es macht Spaß, auf verlängerten bestrumpften Beinen vor dem Pseudorebellen die Treppe hochzusteigen und in einer Bewegung, die mir sonst sicherlich peinlich erschiene, mich rückwärts zu verbiegen, bis mein Mund in seinem Schritt angekommen ist.

Ich lasse mich rückwärts auf einen lederbezogenen Bock legen, den Kleiderschlauch bis auf die Hüften hochgeschoben. Meine Hände umklammern das Gerät, meine löcherbestrumpften Beine ragen gerade in die Luft, um dem Pseudorebellen ein wenig Raum zu geben für das, was seine sehr zärtliche, geduldige Zunge da gerade tut. Ich bin hin und weg. Ich bin sowieso schon erregt, aber dieser Kuss verwandelt all die latent vorhandene Erotik in Sex. Ich seufze mir die Seele aus dem Leib und werde jetzt erst des Zuschauers gewahr, der diese Szene hoffentlich ebenso genießt wie ich. Mir ist nur klar, dass er mich nicht im mindesten stört.

Was diese Gerätschaften mit einem tun! Ich liege spreadeagled,mit den roten Seilen an Ringen fixiert, bei schummriger Beleuchtung, nur noch mit Fischnetzen bekleidet auf einem Latexbett. Der Pseudorebell zieht sich langsam aus. Hätte mir das jemand erzählt, hätte ich wahrscheinlich skeptisch die Augenbrauhe gehoben, aber in diesem Moment macht es mich dermaßen an und feucht, dass Latex eine durchaus praktische Bedeutung erlangt. Dann löst er die Fesseln, stellt mich vor ein kleines Beichtbänkchen und nimmt mich von hinten, dass mir Hören und Sehen vergeht. Meine Schreie sorgen hier nicht für Aufmerksamkeit.

Voller Eindrücke ziehen wir irgendwann glücklich und erschöpft zurück durch die Stadt. Das Paralleluniversum hat sich wieder ein Stück erweitert. Und das war letztlich gar nicht so schwer, weil dieses Fest in diesem Raum für alle, die da sind, zu ihren jeweiligen Paralleluniversen gehört. Die können sich überschneiden, und Miss Universe bewegt sich darin als sei sie zu Hause.

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4 Kommentare zu “Miss Universe goes World

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