On Top

Veröffentlicht 28/11/2012 von Miss Universe

Ich mag Sex als Objekt. Und ich lasse mich gern lieben. Ich mag es, mich zur Vereinigung oder gar Auflösung in den anderen hineinzuwühlen, bis ich nicht mehr weiß, wo mein eigener Körper anfängt. Ich lasse mich gerne fallen in die Lust des anderen, bis mir die Orientierung im Raum verloren geht. Ich bin gut darin, mich in unkontrollierte Ekstase hineinzusteigern. So habe ich es irgendwie gelernt, das ist mein Modus. Oder wie es mal jemand hinterher verdutzt formulierte: „Bist Du immer so – äh – leidenschaftlich?“ Ja, hinterher weiß ich manchmal nur noch, dass es gut war, aber nicht, was eigentlich passiert ist.

Ich bin gerne bereit, das als Feature zu betrachten. Aber es führt auch dazu, dass manche Experimente schwierig werden, weil mir schlicht die erforderliche Konzentration fehlt. So geht es mir beispielsweise mit dem Reden. Der Pseudorebell hätte gerne viel mehr Livekommentar, aber der Punkt, an dem ich mein Sprachzentrum gefühlte Evolutionsstufen hinter mir gelassen habe, kommt relativ schnell. Stöhnen, schreien – kein Problem, aber währenddessen kann ich das beim besten Willen nicht ausformulieren.

Lange Zeit hat dieses Unvermögen zum kontrollierten Handeln meine Abneigung gegen Stellungen bestimmt, in denen ein Mindestmaß an kontrolliertem Handeln notwendig ist – eigentlich alles, wo ich „oben“ bin. Die vermeintlich übersichtliche Aufgabe, den Schwerpunkt einigermaßen stabil zu halten, hat mich schon überfordert. Dabei mit ein bisschen Grazie in Bewegung bleiben zu wollen, führte zu konzentrierten Bemühungen, die die Blase meiner beseelten Besinnungslosigkeit anpieksten. Ich fing an mich wahrzunehmen und hatte keinerlei Übung, das Geschehen auf diese Weise zu genießen. Sex hatte sofort gut und mühelos grandios zu sein. Ging ja auch auf vielerlei Weise – aber nicht, wenn ich in der Hocke auf einem Stab tanzen sollte.

Nun ist das aber eine der Lieblingsübungen des Pseudorebells. Ich habe keine Ahnung, wieso und ob er sich zu seinen Vorlieben ähnlich zweifelhafte Herleitungstheorien macht wie ich. Eigentlich bin ich ziemlich sicher, er wird sagen: „Ist eben geil, egal warum.“ Aber der Pseudorebell wäre nicht der Pseudorebell, wenn er nicht mit entspanntem Nachdruck an der Umsetzung seiner Ziele und Ideen arbeiten würde. Er hat mich unzählige Male gebeten, eingeladen oder einfach gepackt und drapiert. Er hat meine Unsicherheit kommentarlos ertragen und frohen Mutes mitgenommen, was zu kriegen war. Vor allem hat er keinen Druck aufgebaut. Er hat es einfach immer mal wieder angespielt und geguckt, was geht. Er hat meine Hüfte gehalten und mir einen Rhythmus geschenkt. Und er hat mich seine Begeisterung erkennen lassen, wenn es klappte – in den Augen und in einem dieser Sätze, die irgendwie nicht mehr weggehen: „Du über mir, davon werde ich lange zehren.“

Nur weil ich oben bin, ist das kein an sich dominanter Akt. Aber wie mit den Phasen meiner Macht und Herrschaftsausübung ging es immer nur eine gewisse Zeit lang gut. Dann wollte ich wieder den besinnungslosen Kontrollverlust spüren – und habe ihn gekriegt.  Aber irgendwie muss ich mich unmerklich eingewöhnt haben. Mein Körper weiß ohne nachzudenken, wo er sich zu zentrieren hat. Ich stütze mich intuitiv auf der Brust des Pseudorebellen ab, wenn ich Kraft brauche, seit ich einmal realisiert habe, dass ihm das gefällt. Ich finde mein Gleichgewicht auch mit nach oben gereckten Armen. Selbst wenn ich mich nach hinten überstrecke, um ihn noch direkter an meiner Vorderseite zu spüren, muss ich mir keine Gedanken mehr darüber machen, wie weit meine Muskeln dagegen halten können.

Es ist vollkommen im Repertoire meiner Ekstase eingegangen, wie mir diese Woche auffiel, als der Pseudorebell im Anschluss an eine Session feststellte: „Du bist nämlich über mich hergefallen. Du hast zu Beginn versucht, es mit Langsamheit zu übertünchen, aber in Wirklichkeit hast Du mich in Grund und Boden gefickt, erst vorwärts, dann rückwärts, und hast es augenscheinlich (und ohrenscheinlich =O) sehr genossen.“ Es stimmt tatsächlich, ohne Vorhaben und Gedanken, habe ich ihn die ganze Zeit unter mir gehabt und behalten wollen. Lediglich heftige Muskelschmerzen in den Oberschenkeln nach zu vielen vergnügten Froschsprüngen rühren noch hin und wieder an mein Bewusststein, wenn ich ihn reite.

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