Leichte Beute

Veröffentlicht 18/11/2012 von Miss Universe

Wir sind wieder auf der Jagd, eine Tätigkeit, die wir angenehm halbernst nehmen. Ich vertiefe mich mit Verve in völlig neu erworbene Fertigkeiten: Meine Augen scannen alle weiblichen Besucher des Ladens, suchen spannende Features, bleiben an sexy Looks kleben und ordnen störende Begleitungen ein. Dafür, dass ich solche Beutezüge weder bei Männern noch bei Frauen je unternommen habe, geht mir das erstaunlich leicht von der Hand. Es ist wie ein Geschicklichkeitsspiel. Ich suche Kandidatinnen und probiere, was geht. Es gibt nichts zu verlieren, und es macht mir Spaß scheue Mädchen provozierend anzugrinsen oder attraktive Frauen unoriginell anzusprechen.

Das geht mit dem Pseudorebellen irgendwo an meiner Seite oder hinter mir hervorragend. Ich muss mich nicht um ihn kümmern, er vergnügt sich schon. Wäre es irgendwo unangenehm, würde sein Beschützerinstinkt sofort anschlagen. Sobald ich auch nur den leisesten Erfolg produziere, strahlt er mich mit unverhohlener Begeisterung an, um mich zu motivieren, auch den nächsten Schritt zu gehen. Wir begeistern uns gemeinsam für schöne Frauen und würdigen die Erfolge des jeweils anderen. Es ist ein so entspanntes, eingespieltes Nebeneinander, dass es sich wie die gepfefferte Variante eines Hanni und Nanni-Abenteuers anfühlt.

Ich bin fröhlich in mein Spiel vertieft, als ich einen kribbelnden Blick verspüre, der mich aufmerken lässt. Schräg vor mir steht nicht etwa die herbeiphantasierte Fee für unseren Dreier, sondern der Pseudorebell mit Tunnelblick. Er hat den Spielmodus verlassen und starrt mich geradezu brennend an. Er muss nichts sagen. Es ist völlig offensichtlich, dass sein Jagdinstinkt umgeschwenkt ist auf das seiner Meinung nach begehrenswerteste Geschöpf im Raum. Ich stehe in einer Ecke eines mit wunderschönen Frauen angefüllten Raumes, und er durchbohrt mich mit der klaren und eindeutigen Botschaft: „Ich will Dich.“ Das Begehren ist so dringlich und absolut, als könnte ich mich jederzeit in Luft auflösen.

Mein Ego kriegt einen Herzinfarkt und wir machen uns auf den Weg mit unerträglich vielen Stationen U-Bahn.

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