Objekte

Veröffentlicht 14/11/2012 von Miss Universe

Wir operieren erfolgreich unter der Prämisse des Augenblicks. Jede Begegnung kann die letzte sein, es gibt keine Ansprüche auf Kontinuität. So geht es seit zwei Jahren. Mit dieser verstetigten Ausnahmeregelung kann man in einem Zustand leben, der einem einerseits jedes Mal im Anschluss die Gnade der Ignoranz, des Vergessens und des Leugnens erlaubt und gleichzeitig die minimalen Voraussetzungen an Verlässlichkeit und Planbarkeit erfüllt. Ich kann mir hervorragend einbilden, das sei wahlweise nie oder höchstens ein, zwei Mal passiert.

Aber ebenso wie sich die Gefühle über die Zeit anhäufen, ob man will oder nicht, entwickelt sich langsam eine Sammlung von Objekten. Das Paralleluniversum manifestiert sich in Gegenständen. Es begann mit der trivialen Beschaffung und Bereitstellung von Verhütungsmitteln. Der Pseudorebell darf regelmäßig Kondome kaufen und das Lager zwischen seiner Jackentasche und dem Rollcontainer im Büro hin- und herräumen. Ich darf an jedem Abend unbeobachtet eine Pille schlucken.

Ich besitze schon Jahre lang Vibratoren für meine einsamen Stunden. Anlässlich einer medizinisch verordneten Zwangspause für den Pseudorebellenschwanz haben wir dieses Spielzeug einst in unsere gemeinsamen Sessions integriert. Er kann das Tool selbst als nimmermüden Stellverteter verwenden und wird nicht einmal eifersüchtig, wenn er zwischenzeitlich mal in die Zuschauerrolle wechselt. Den Stimulation-Overkill erlebe ich, wenn der Pseudorebell sich auf meine Brüste konzentriert, während der Rabit G-Punkt und Klitoris bearbeitet, wie ich es gerade brauche. Dauert keine zwei Minuten. Ich habe ihn oft dabei.

Mit dem Vibrator zusammen tauchte das Gleitgel auf, für das es so viele schöne Anwendungsgebiete auf beiden Körpern gibt, dass es inzwischen ebenfalls beinahe zur Grundausstattung zählt.

Das erste wirklich kompromittierende Spielzeug war der Mini-Flogger. Er wollte erst eine Gerte sein, aber die gab es nicht in einer verstecktauglichen Größe. Inzwischen lieben wir die klatschenden Lederenden beide gleichermaßen, und das Ding ist fast immer dabei. Der Pseudorebell teilte mir neulich fröhlich mit: „Meine neue Jacke hat eine Tasche, wo der genau hineinpasst!“

Die schönen Seile sind nicht ganz so offensichtlich in der Wirkung, aber aufgrund der vielen erforderlichen Meter recht voluminös. Sie wohnen deshalb im Rollcontainer im Büro und werden nur an Orte gebracht, wenn wir wissen, dass wir viel Zeit fürs Fesseln haben.

Eine weitere Manifestierung in der dieseitigen Welt stellt der Worthaufen in diesem Blog dar. Der liegt zwar irgendwo im Netz anstatt in meiner Tasche, wiegt gar nichts und kann nicht unmittelbar bei mir gefunden werden, aber in diesem Fall sprechen 1000 Worte doch mehr als der Anblick eines einzelnen Spielzeugs. Ich bin abwechselnd begeistert und erschreckt von der Verewigung durch Aufschreiben.

Eine weitere Stufe der Verdinglichung habe ich kürzlich erreicht, als ich Teile für ein Outfit kaufte, mit dem Miss Universe in der (Unter-) Welt auftreten kann. Sie hat jetzt ein Superheldenkostüm, und zwar eins, das es ihr ermöglicht, tatsächlich in dieser Welt mit anderen Menschen in Kontakt zu treten. Ich bin gespannt, ob dieser Weg weiter geht.

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2 Kommentare zu “Objekte

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