Ready To Go

Veröffentlicht 11/11/2012 von Miss Universe

Es ist Aftershow, und wir hatten eine verdammt gute Zeit. Eigentlich haben wir uns lange nicht gesehen, aber es scheint kein Redebedarf zu bestehen. So wie unsere Körper sich wiedergefunden haben, wissen wir offensichtlich das Wichtige voneinander. Stattdessen wandern seine Fingerkuppen immer wieder über mein Dekolleté und tippen ihre zärtliche Botschaft direkt auf die Haut. Wie immer brauche ich erst einmal ein Bier, um diese langsame Form der Nähe ertragen zu können. Dies ist nicht „instant geil“, eine Kunstform, die wir zur Perfektion erhoben haben und die seltsamerweise immer und immer wieder zwischen uns funktioniert. Dies sind spürende und erzählende Fingerkuppen auf meinem Schlüsselbein und ruhiger tiefer Atem, der aus dem an meine Schläfe gelehnten Kopf strömt.

Aber der Pseudorebell ist der Pseudorebell, und er fängt an mich zu küssen – auch das so langsam und zart am Anfang, dass ich in die Verlegenheit gerate meine Gefühle wahrzunehmen anstatt in sofortiger Geilheit zu vergehen. Es ist einer dieser Küsse, die sich in die Ewigkeit ausdehnen –  gefühlt auf jeden Fall, aber sicher auch in der Realität der Kneipenecke vor den anderen Gästen.

Aber der Pseudorebell ist der Pseudorebell, und ich kann sein erwachendes Begehren spüren in diesem andauernden Kuss. Seine Hand rutscht ein Stück über meinen Rücken, es entringt sich ihm ein Laut des Genusses, als ich meine Zunge gänzlich seitwärts an seiner vorbeidringen lasse. Er packt mich im Nacken und ich stelle mir die unsinnige Frage, ob es vor Leidenschaft geschehen kann, dass wir einander auf diese Weise versehentlich verschlingen.

Als er sich irgendwann von mir löst, brauche ich eigentlich nur einen Blick in seine Augen zu werfen. Sie haben ganz deutlich diesen Schleier. Der Mann hat einen wachen Geist, und eigentlich sieht man den immer durch die klaren, vernünftigen Augen leuchten. Aber wenn sich der ganze Organismus wie mit einem Tunnelblick auf sein Begehren konzentriert, dann ist dieser Blick getrübt. Es ist einer dieser Effekte, der nicht an sich hübsch ist, aber den man nach kürzester Zeit liebt, weil man lernt, was er bedeutet: Das Wesen gegenüber hat sich einzig und allein auf den Wunsch nach Dir reduziert. Es ist ein Geschenk und ein Eingeständnis von Macht.

Eigentlich braucht er nicht mehr zu sagen: „Gehen wir?“ Er steht lichterloh in Flammen, und selbst wenn er nicht schon wieder den magischen „instant geil“-Knopf auch bei mir irgendwie gedrückt hätte, bin ich wahnsinnig erregt durch dieses unbedingte Begehren, dessen Objekt ich sein darf. Wir schlagen uns durch den Regen zurück ins Stundenhotel, die einzige Kommunikation besteht aus „Schnell!“ und tiefen ungeduldigen Atemzügen an meiner Seite.

Ich muss noch einmal auf die Toilette, aber der Pseudorebell ist der Pseudorebell, und als ich fertig bin muss ich ihn erst einmal suchen, denn er liegt bereits nackt ausgestreckt auf dem Bett von Zimmer 7. Nach dem Bier und mit meinem Gespielen in einem Zustand, in dem ich sowieso nichts mehr verkehrt machen kann, nutze ich die Chance, mir ohne mir viele  Gedanken darüber machen zu müssen, die Kleider mit den ganz klischeehaften Gesten abzustreifen. Sonst schreckt mich immer der doppelte Boden dieses Vorgangs – wir wissen ja beide, dass die Suggestion, ich zöge Erregung aus meiner eigenen Entblätterung, sich bestenfalls durch seine begehrlichen Augen rechtfertigt. Aber heute weiß ich, dass es funktionieren wird.

Aber der Pseudorebell wäre nicht der Pseudorebell, wenn er mich nicht auch hier noch überraschen würde. Ich habe gerade mal zwei Teile geschafft, bei denen ich mir auch nicht ewig Zeit gelassen habe ihn zu necken, als er sich plötzlich aus seiner bequemen Beobachterposition im Bett erhebt und mich einfach selbst weiter auszieht. Später schreibt er dazu, er hätte „eintauchen“ wollen. Ich bin sicher, dass er zu diesem Zeitpunkt noch keine Ahnung hatte, dass er in dieser für die zweite Runde gebuchten halben Stunde noch zweimal kommen will. Aber vielleicht hätte ich es sehen können.

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