Miss Universe Suspended

Veröffentlicht 02/10/2012 von Miss Universe

Fesseln steht auf dem Programm, und ich habe angekündigt, dass mich das in den Objektmodus versetzen wird. Wie ein Bittsteller stehe ich vor der Tür, schon jetzt in den Bewegungen gedämpft als befände ich mich in einem Glas Honig und ohne eigene Worte. Einem Impuls folgend nutzt auch der Pseudorebell nur eine Geste, um mich einzulassen. Ich ziehe die Schuhe aus und stelle mich abwartend mit dem Rücken zur Kommode.

Der Pseudorebell tritt auf mich zu. Er spricht nicht, küsst mich nicht, beginnt nur die Knöpfe des Mantels zu öffnen. Das erste Zittern durchläuft mich, als er mit seinem nackten Oberkörper noch ein Stück näher kommt, um mir das Kleidungsstücke gleichzeitig von den Schultern zu streifen. Sein duftendes Schlüsselbein ist wenige Millimeter von meinen Lippen entfernt, aber selbst dieses bisschen Initiative, das einen klaren Wunsch als Triebfeder hätte, bleibt hängen und vergeht an meiner klebrigen Ergebenheit.

Ich kann nichts und ich tue nichts. Er schiebt mich durch den Flur bis vor das Bett, auf dem die Seilbündel ausgebreitet liegen. Noch immer spricht er nicht mit mir. Ich stehe starr in einer Mischung aus Ehrfurcht und Ergebenheit. Er weiß mich mit einer Geste zu lösen: Das Streichen seiner Finger durch mein Haar am Hinterkopf würde mir noch im Ertrinken vermitteln, dass alles in Ordnung und für mich gesorgt ist. Mit langsamen und klaren Bewegungen zieht er mir nach und nach die verbleibenden Kleidungsstücke aus. Ein letztes Mal berührt seine nackte warme Brust meinen Rücken. Er hält mich kurz und beginnt das Werk.

Er fängt an zu tanzen – ohne Eile, ohne Worte, mit all der Kraft, Entschiedenheit und Schönheit, die mich jedes Mal in den Bann schlagen. Konzentriert und geschmiedig arbeitet er sich um mich herum, bald auf Details seiner Knoten, bald Abstand nehmend auf den Eindruck des Gesamtwerks prüfend. Es ist so fließend und gleichzeitig präsent und präzise, dass ich das Gefühl habe, ein eigenes Gravitationsfeld zu entwickeln. Mein Körper wird in jeder Kurve gewürdigt und fokussiert sich doch auf zwei Pole: Beide Lippenpaare entwickeln den übermenschlichen Wunsch nach einem Kuss. Gleichzeitig gibt es nichts, was ich lieber täte, als hier zu stehen und das Objekt dieses Schaffensprozesses zu sein.

Wieder entsteht das Knotenhemd an meinem Oberkörper, welches mir anstelle einer bedrohlichen Einengung einen zutiefst angenehmen Schutzkokon anzieht. Es geht so weit, dass sich meine untere Körperhälfte beginnt, sich nackter zu fühlen und nach ähnlicher Behandlung zu verlangen. Immer weiter wächst der Wunsch, den Knotenmeister zwischen die Lippen zu bekommen. Noch immer fällt kein Wort.

Er geht auf die Knie und schlingt mir ein Seil um die Hüften. Mein Leib steht still und stolz und würde ihn doch gerne einsaugen. Seine Hände an meinem Schenkel verbinden wieder unten und oben und kleiden mein Bein. Vielleicht habe ich mich noch nie so vollkommen und schön gefühlt. Er küsst mich nicht, er spricht nicht. Stattdessen greift er sich die Kamera, vom gleichen Bedürfnis wie ich ergriffen, diesen Moment irgendwie festzuhalten in seiner stummen Größe. Er tritt einige Schritte zurück, und ich kann meinen Blick über seinen Hals empor heben, ohne Gefahr zu laufen, mich sofort und final in seinen Augen zu verfangen, da eine Deckenleuchte seinen Kopf in dieser Perspektive halb verdeckt. Während er mit der Kamera hantiert, studiere ich seine Kiefer. Was für vollendete Formen! Dieser Ausschnitt Pseudorebell ist so schön, dass ich ihn rahmen möchte und irgendwo verehren lassen als Beispiel für perfektes Design.

Schweigend werde ich in den Flur geleitet. Beim Gehen bemerke ich verwundert die leckende Feuchtigkeit zwischen meinen Schenkeln. Mein Lechzen nach einem Kuss hat sich verselbständigt. Die Stange im Flur gewinnt einen weiteren Zweck. Mein Oberkörperpanzer wird damit verbunden. Dann mein Bein. Ich stehe wie ein Ölgötze, ein Bein in der Luft und begreife nichts. „Du fällst nicht“, raunt mir der Pseudorebell die ersten Worte des Abends ins Ohr. Und langsam begreift mein Körper, dass es tatsächlich gehen kann. Ich lehne mich seitlich in meinen Kokon und verhake die Beine ineinander. Das Unbegreifliche geschieht: Ich schwebe frei – nur von Knoten getragen – im Raum.

Wir sehen uns kurz in die Augen und ich kann seine Begeisterung sehen. Das Werk ist nicht nur schön, es trägt auch. Andächtig wird auch das dokumentiert. Dann beginnt ganz langsam der Rückweg. Ich werde auf ein Bein gestellt und von der Stange gelöst. Mein Kokon wird sorgsam, wie er entstanden ist, entfernt. Das Beinkleid darf mich noch ein wenig länger schmücken. Als meine Arme befreit sind, endlich küsst er mich. Noch immer von eigenem Willen befreit werde ich wieder Richtung Bett bewegt. Wiederum umfängt er mich von hinten und lässt das Leben mit der Wärme seiner Brust in mich zurückkehren. Dann gibt er mit den anderen heiß ersehnten Kuss zwischen die Beine.

Advertisements

3 Kommentare zu “Miss Universe Suspended

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: