Geißel(tier)chen

Veröffentlicht 25/09/2012 von Miss Universe

Er sieht mich an, ewig, direkt in die Augen, mit einer Intensität, die weh tut. Aber gleichzeitig ist es dieser rare Blick, den ich jedes Mal als unglaubliches, beinahe unerträgliches Geschenk empfinde: Er liefert sich aus. Ich genieße es unendlich, wenn er wild, stark und Impuls ist. Ich vertraue vorbehaltlos und gern in seine Ratio und Kontrolle. Und ich mir stockt jedes Mal der Atem, wenn er das alles loslässt und mich so grenzenlos in seine hellen, klaren Augen schauen lässt.

Dieses Mal schaue ich nicht weg, ich halte es aus, obschon ich jedes Mal fürchte, in diesem bodenlosen Blick zu ertrinken. Da kommt ein Schatten und ich weiß, ich muss nicht lange warten, bis er etwas sagt. „Ich möchte noch mal die Peitsche spüren – auf dem Rücken.“ Ich bin ein wenig krank, ich bin müde, ich bin schon wieder über unzählige Klippen gevögelt worden. Aber so ein Geschenk lehnt man nicht ab.

Wir stehen auf und entweder hat der Pseudorebell den Geistesblitz des Tages oder er hat diese Situation ausführlich phantasiert. Jedenfalls stellt er sich in den Flur und hält sich an einer Stange an der Decke fest. Auf der Hüfte hängen Jeans und sein Oberkörper ist bereits nackt. Die Bleuchtung ist schlecht und indirekt. Die roh verschweißte Eisenstange trägt ihren Teil bei zur Folterkelleratmosphäre. Er hängt quasi von der Decke, den Kopf demütig nach unten geneigt. Ich bestaune seinen harmonisch bemuskelten Rücken und noch mehr darüber, dass mich diese Ästhetik erregt. Ich habe immer nur verwundert mit dem Kopf geschüttelt über die Fetischisten der Dunkelheit. Aber es ist ein berauschendes Gefühl, ihn da im Halbdunkel ausgeliefert vor sich zu haben.

Er sieht mich nicht, aber er soll mich spüren. Mein Körper stellt sich so, dass er mich an seiner Seite spüren kann, und ab und an streichelt ihn meine linke Hand. Die rechte hält den Flogger, ich brauche Kraft.  Es geht langsam los. Die kühlen Lederenden streifen über die Haut im Wechsel mit meinen warmen Fingern. Ich probiere die verschiedenen Stellen, außen auf der Schulter und zwischen den -blättern. Ich wärme auf, die Haut wird langsam heiß, und der Pseudorebell hört auf still und starr zu sein.

Er gibt nach, schwingt ein Stückchen an seiner Aufhängung und wieder zurück, um den nächsten Schlag zu empfangen. Ich streichle ihn kaum noch, sondern halte ihn am Hals. Ich gebe ihm Zehnerpakete und er atmet sie weg. Er macht diese Geräusche, bei denen nicht klar ist, ober vor Schmerz oder vor Lust stöhnt. Ich entscheide mich für Lust und gebe ihm mehr. Ist das gut? Er antwortet kaum und leise, aber für mehr, und ich teile aus, was ich zu geben habe – bis sein ganzer Rücken glüht und mit den feinen Streifen der Floggerendchen dekoriert ist.

Es ist genug und doch nicht genug. Seltsamerweise leuchten seine Augen jetzt wieder vor Begeisterung und Tatendrang, während ich erschöpft und leer gegen den Türrahmen sinke.

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3 Kommentare zu “Geißel(tier)chen

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