Auf dem Boot

Veröffentlicht 13/08/2012 von Miss Universe

Es war von meiner Seite eher eine dieser fixen Ideen gewesen, die man, wenn man Glück hat, doch irgendwann realisiert – mehr um sie gemacht zu haben als weil man wirklich daran glaubt. Aber dann fuhr das rote Tretboot unter das herabhängende Blätterdach eines fülligen Ahorns und verschluckte uns in einer faszinierenden Mischung aus offenem Wasser, Höhle und frischer Luft.

Während des ersten langen Kusses trieben wir noch blind in das Geäst, aber nachdem wir geankert hatten, wurde der Ort immer besser. Der Pseudorebell zog sich mit den Worten „Ich zeig Dir mal was“ das T-Shirt aus und streckte die langen Beine auf der „Ladefläche“ des Bötchens aus. Ich krabbelte auf seinen Schoß, und seine Hände und – nachdem auch ich mich des Oberteils entledigt hatte – sein Mund leisteten so gute Arbeit an meinen Brüsten, dass ich nach wenigen Minuten seufzte: „Ich muss die Hose gar nicht ausziehen.“

„Doch“ wurde von glänzenden Augen und heftigem Kopfnicken begleitet. Während ich der freundlichen Aufforderung Folge leistete, installierte er sich zwischen den beiden Sitzen hinter dem Steuerruder. Der Vorgabe entsprechend drehte ich ihm den Rücken zu und pflanzte mich auf seinen Schoß. Schauen ist meist zu viel Input für mich, aber durch die Blätter über das Wasser zu blicken war zu schön, um die Augen zu schließen. Im Rhythmus meiner eher verträumten Auf- und Abbewegungen klatschte der Bootsrumpf sanft auf das Wasser und sendete zarte Wellen über den Kanal, die schließlich einen Vogel auf seinem hölzernen Sitz erreichten und nach einiger Zeit verscheuchten.

Ich hätte Stunden mit diesen leichten Schaukelbewegungen verbringen können – zumal wundersamerweise außer uns gerade niemand diesen Kanal zu brauchen schien. Aber der Kerl unter mir griff mein Becken und wurde langsam ungeduldig. Sollst Du haben! Ich griff nach den Hartplastiklehnen der Bootssitze schräg hinter mir und musste mich unwillkürlich fragen, ob die für irgendeinen anderen Zweck gebaut sein konnten als diesen perfekten Einsatz. Mit den Füßen auf der Ladefläche und den Händen auf den Lehnen hatte ich plötzlich eine riesige Bewegungsfreiheit, ohne auf übermenschliche Oberschenkelmuskeln angewiesen zu sein.

Bequem konnte ich mich bis zu seiner Schwanzspitze senkrecht nach oben drücken, um in dann wieder auf voller Länge in mich aufzunehmen. Das Boot platschte ein bisschen lauter auf die Wasseroberfläche und schenkte mir aus der Schwungumkehr neue Impulse. Der Pseudorebell ließ meine Hüfte los, weil es da wirklich nichts mehr zu helfen gab, und fing an, die Unterseite meiner Oberschenkel zu streicheln. Es war so wunderschön: nackt, draußen, mit dem Blick übers Wasser, im Schutz des Baumes.

Irgendwann wollte ich mehr vom Pseudorebellen spüren und drehte mich um. Halb auf seinem Schoß, halb mit abgespreiztem Bein konnte ich weitermachen und ihn gleichzeitig küssen oder nur irgendwo an seinen Hals atmen, während seine Arme mich umfingen. Längst war ich viel zu verzaubert, um so noch einen wilden Ritt zu starten. „Komm, einer geht noch“, schob er mich hoch und wir tauschten Plätze. Planlos wie ich war, brauchte ich den berühmten Fingerzeig, um mich zu wenden.

Jetzt kniete ich auf der Ladefläche, den Oberkörper abgestützt auf dem Bock mit dem Steuerruder. Mein Blick ging nicht mehr aufs Wasser, sondern ins Geäst, dann nirgendwo mehr hin. Der Pseudorebell ficktte mich von hinten und ich kriegte nicht mehr mit, ob er dabei auch irgendwas von den tollen Plastiklehnen hatte, oder es einfach so genoss mich im Freien zu nehmen. Ich ergab mich seinen Stößen und dem, was sie auslösten, und war weit weit weg.

Meine Wahrnehmung setzte wieder ein, als er mit nacktem Oberkörper grinsend auf dem knallroten Vorderdeck hockte und rauchte. Meine ironischen Schutzmechanismen konnten nicht mehr brüllen „Vorsicht, klischeeüberladene Gauloises-Werbung!“. Ich musste kurz anerkennen, dass ich gerade perfekten Sex an einem perfekten Ort hatte, und sowohl der Kerl als auch das Tretboot viel mehr sind als eine fixe Idee.

Direkt nach dem Ablegen fuhren wir an einem Ausflugsdampfer vorbei, dessen Insassen mich mit so großen staunenden Augen betrachteten, dass ich ich mich kurz fragte, ob die vielleicht schon länger in dieser Kurve gelegen und uns zugesehen hatten.

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