Der Gänseblümchen-Effekt

Veröffentlicht 30/07/2012 von Miss Universe

oder auch

Evolution II“

Ich kann mit dem Pseudorebell so herrlich vorbehaltlosen Sex haben, weil mit ihm alles anders ist. Durch die völlig vom mir Bekannten abweichenden Bedingungen zwischen uns, genieße ich beinahe schamlos, was sonst aus guten Gründen nicht Teil von mir war. In genau diesem Zusammenhang bin ich gerne Objekt und lasse mich selbst von niedersten Motiven leiten.

Der Weg in mein Herz bestand immer darin, meine Weiblichkeit zu übersehen wie eine Behinderung und mir das Gefühl zu geben, es ginge um gänzlich andere Dinge zwischen Menschen. Der Pseudorebell schaut nicht eine Sekunde an meinem Körper vorbei. Er hat seine Triebe so schön präsent. Und trotzdem habe ich immer das Gefühl gehabt, dass er den Menschen hinter dem Objekt achtet; dass vorne der Sex spielen darf, nur solange kein Alarmsystem seines Wertegerüsts anschlägt. Die Erkenntnis, dass ich ihn gar nicht in meinem Herzen will, und das Vertrauen in die Rückversicherung, dass mir kein Unrecht geschieht, haben mich sehr frei gemacht.

Ich genieße Dinge unendlich, die mir unter anderen Umständen falsch vorkämen:
Ich liebe es, seine hungrigen Blicke über meinen Körper streifen zu spüren, ohne sich Gedanken über meine sonstigen Werte zu machen. Es ist grandios, wenn das Gespräch abbricht mit der Mitteilung: „Ich muss Dich jetzt flachlegen.“  Ich stehe auf wenig elaborierte und wenig einfallsreiche Komplimente wie „Du bist so geil“, sogar in der Endlosschleife, weil sie gerade heraus empfunden sind.
Ich lasse mich anmachen von Männlichkeitsentwürfen, die meinen Kopf nicht überzeugen:
Ich finde es geil, dass der Pseudorebell ein ganzes Stück größer ist als ich und ich zu ihm aufschauen muss. Ich fahre plötzlich ab auf Muskeln an Brust, Schulter und Bauch, die mich nie interessiert haben. Ich genieße jede Demonstration von Stärke, die mich davon entbindet, mir Gedanken um sein Seelenleben zu machen. Es erregt mich ungemein, körperlich unterlegen zu sein und das auch ab und an deutlich zu spüren. Mein Hirn setzt aus, wenn der Pseudorebell mich packt, herumwirft und zusammenschiebt, wie es ihm gerade passt.

Ich habe mich mit voller Wucht in den Rausch gestürzt, den diese gänzlich neuen Aspekte meiner Empfindungen hervorriefen. Ich habe diesen Rausch gewollt und genossen, so sehr, dass ich völlig darauf fokussiert war. Ich habe meinerseits halb bewusst am Pseudorebellen massiv reduziert, ignoriert und vielleicht sogar aktiv zurecht imaginiert, damit er diese Rolle perfekt füllt und mir diese Erlebnisse genau so geben kann. Weil ich sie wollte und weil ich das für die Voraussetzung dieser herrlichen Freiheit hielt.

Nur so ist zu erklären, dass ich nach weit über einem Jahr und unzähligen Begegnungen in einem Moment der verebbenden Extase auf den Pseudorebellen hinunter blicke und mit kopfschüttelnder Verwunderung feststelle, wie unglaublich weiß und zart seine Haut ist und wieviel Verletzlichkeit man in diesen hellen, transparenten Augen sehen kann. Ich sehe das so zum ersten Mal. Und ich wundere mich weiter, weil mich das rührt. Das sind genau die Dinge, um die es in diesem Fall nicht ging, die ich nicht zu sehen brauchte und die ich auch nicht sehen wollte. Und ich wundere mich weiter, weil es nichts an der Leichtigkeit und Eindeutigkeit zwischen uns ändert. Seltsamerweise nimmt mir das nichts von meiner geliebten Raserei; keiner verliert seine Superkräfte. Es eröffnet nur wieder ein paar Möglichkeiten.

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4 Kommentare zu “Der Gänseblümchen-Effekt

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