First Fist

Veröffentlicht 12/07/2012 von Miss Universe

Wir sitzen uns gegenüber, weil wir eigentlich gerade mal wieder fertig sind. Ich schwinge sowieso noch und er muss mir die Bierflasche anreichen, damit ich einen Schluck nehme. Er streckt die Hand über den kleinen Graben zwischen uns und fängt an mich über den ganzen Körper zu streicheln. Es ist diese neue Form von langsamer Zärtlichkeit zwischen uns, der Sturm und Drang der brennenden Lust fehlt und die mich gerade deshalb sehr seltsam und bis ins Mark berührt.

Ich habe längst die Augen geschlossen und bin eins unter seinen Händen. Er wechselt hinter mich und lässt die Finger über meine Vorderseite gleiten. „Frierst Du?“ Kopfschütteln. Nein, mich überlaufen nur Schauer, wenn ich die Wärme Deiner Brust hinter mir, den Gang Deines Atems im Nacken und Deine Arme um mich spüre. Ich will von Dir weder Schutz noch Liebe, aber mein Körper registriert, akzeptiert und genießt an jeglichem Wollen vorbei.

Ich werde ausgebreitet auf dem Rücken, bin zu 100% auf Empfang. Er nimmt zwischen meinen Beinen Platz und lässt seine geschickten Finger wandern. Ich würde ihnen gerne zusehen. Sie sind schön, egal was sie tun, und gerade tun sie unendlich schöne Dinge. Sie streicheln außen vertikal, ganz leicht, gerade fest genug, um tief genug vorzudringen, meine ganze Feuchtigkeit aufzunehmen und weiter zu verteilen.

Sie streicheln und erzeugen jenen indirekten Druck auf meine empfindsamsten Teile, der mich rasend macht. Er harrt ungewohnt geduldig aus, bis ich es nicht mehr erwarten kann, seine Finger in mich aufzunehmen. Ich kippe mein Becken ihm noch ein Stück entgegen und er tut mir den Gefallen. Ich wusste nicht, dass man das lernen kann, aber er hat sehr genau gelernt, an welchem Punkt ich das Reiben seiner Fingerkuppe beinahe unerträglich intensiv empfinde. Er lässt mich mich unter ihm winden vor Wonne.

Ich habe nur noch Wahrnehmung für die Empfindungen zwischen meinen Beinen und bin abgetaucht in diesem Geschenk – bis ich plötzlich den wenig klangvollen Schnappverschluss der Gleitgeltube knacken höre. Eine Ahnung, die ich vorhin schon kurz hatte, drängt sich ins eingetrübte Bewusstsein: Das hier ist planvolles Handeln, der Pseudorebell will mir ein noch größeres Geschenk machen – ich kriege seine ganze Hand.

Den Wunsch habe ich ein paar Mal geäußert. Es überkommt mich einfach jedes Mal das dringende Verlangen nach mehr, wenn er mir seine Finger gibt. Und er hat mir selbst erzählt, dass dieses Wollen körperlich spürbar war in einer ziemlich trunkenen Nacht. Wir haben ausreichend darüber gesprochen, um zu wissen, dass es keine in dem Sinne geile Erfahrung wird, sondern eher eine Aufgabe mit mehreren Anläufen und sehr viel Geduld. Ich habe versucht zu erklären, dass dies für mich nicht nur ein körperlicher Wunsch ist, sondern etwas, das auf ungewohnt starke Weise mit meinen Emotionen interagiert. Aus irgendeinem Grund bedeutet es für mich mehr Öffnung als andere Dinge, bei denen ich auch meine bisherigen Grenzen überschritten habe.

Er nimmt sich Zeit. Ich könnte mir vorstellen, dass es nicht die dankbarste Aufgabe ist, sich quasi ohne Feedback in ein vollkommen still hingebreitetes Wesen vorzuarbeiten, immer achtsam nicht wehzutun. Aber ich kann das nur, wenn ich bei mir bleibe und mich um nichts anderes sorge. Und wie so oft kann ich genau das mit diesem Mann: vertrauen und fallen lassen.

Es geht unglaublich langsam. Wenn mir jemand sagte, ich hätte dort zwei Stunden gelegen, würde es mich nicht wundern. Es gibt Pausen, in denen ich mich gewöhnen kann. Es gibt beruhigendes Streicheln über die Bauchdecke. Es gibt ermunterndes Kneifen in die Oberschenkel. Zwischenzeitlich wünsche ich mir, ich hätte ein zweites Bier getrunken, so genau nehme ich alles war.

Wenn ich anfange mich zu verkrampfen, erinnert er mich mit seinen schönen Fingern daran, dass wir doch gerade in einer seltsamen Form Sex haben und weckt meinen Wunsch neu. Wenn ich ganz tief in meiner Blase der totalen Auslieferung abtauche, fängt er an mit mir zu sprechen und erinnert mich daran, dass wir das gemeinsam tun. Es ist eine unausgeglichene, ungeübte, aber mich tief bewegende Kommunikation – im Gegensatz zur sonst so geschätzten Raserei vollkommen kontrolliert.

Irgendwann sind wir an einem Punkt, wo jede Bewegung wehtut. Das ist schade, denn ohne Bewegung an anderer Stelle bin ich auf den Schmerz fokussiert. Es ist nur ein ganz kleiner Hautring am Eingang, der überhaupt etwas spürt, aber der ist an der Grenze seiner Dehnbarkeit angekommen. Noch das Verharren auf dieser Grenze ist großartig. Der Pseudorebell könnte mir selbst aus Versehen ziemlich wehtun, aber er verharrt still mit mir. Selbst das Teilen dieses Schmerzes ist Vereinigung. Das ungerechtfertigte Wissen, dass es gut ist, ist stark.

Schließlich zieht er sich unendlich langsam zurück, zu meiner Verwunderung ohne, dass es im mindesten weh täte. Auf dem Weg kann ich noch einmal spüren, was ich mir so gewünscht habe. Ich habe keine Ahnung, ob er spüren kann, wieviel er mir gerade gegeben hat, und öffne zum ersten Mal seit gefühlten Ewigkeiten die Augen.

Zwischen meinen Beinen hockt immer noch der Pseudorebell, mit fröhlichem Staunen seine glasierte Hand betrachtend, während ich versuche wieder Anschluss an seine Realität zu finden.

Nur weil ich eine Stunde später explizit frage, weiß ich, dass er tatsächlich bis zum Handgelenk in mir verschwunden war.

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4 Kommentare zu “First Fist

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