Evolution

Veröffentlicht 12/07/2012 von Miss Universe

Diese Beziehung ist immer seltsam gut gewesen. Und sie ist ganz gut seltsam.

Am Anfang war es latente Sympathie und moderate Anziehung. Der Pseudorebell ist zu mainstream-hübsch, um mein Typ zu sein. Er strahlt zu viel Selbstsicherheit und Stärke aus in seinem Körper, um mich auf sein dunkles Geheimnis neugierig zu machen. Er ist zu sehr mit sich und der Welt im Reinen, um meine mitfühlende Zärtlichkeit zu wecken. Ich wäre nicht auf den Gedanken gekommen, dass das die idealen Voraussetzungen für Sex ohne Liebe sind – aber ich wusste auch nicht, dass ich danach suche.

Nach den ersten Gesprächen war klar, dass weder Stärke noch Reinheit Fassade waren, und ich war mir einer weiteren wichtigen Zutat sicher: Ich kann diesem Menschen vertrauen, ohne alles wissen zu müssen. Es gab genug Unterschiede, um nicht vereinnahmen zu wollen. Ich hatte keine Ahnung, ob ich tatsächlich fähig wäre zu einer solchen Art Beziehung, aber ich konnte mir vorstellen, dass er das war. Das war schon einmal die halbe Miete.

Und es ging tatsächlich. Wir organisierten uns und wir fickten, und er gab mir genau das, was ich wollte: Er begehrte mich bedingungslos, einfach körperlich, ohne doppelten Boden und ohne dass es wehtun könnte. Wir hatten Sex ohne sonst irgendwas. Wenn es nach mir gegangen wäre, hätten wir uns nicht einmal küssen müssen. Sobald er am Horizont auftauchte, entflammte mein Körper, schaltete sich mein Hirn aus, gab es nur noch ein Ziel und Zweck.

Mit diesem Kerl konnte ich Sex haben in einer ungekannten Reinheit, Absolutheit und Rücksichtslosigkeit. Und ich fand diesen Zustand perfekt.

In erster Linie aus dem Bedürfnis heraus, doch noch drei Worte miteinander zu wechseln und ein bisschen herunterzukommen, fingen wir an mit den Aftershows – und stellten fest, dass das nicht nur gut funktionierte, sondern richtiggehend Spaß machte. Wir können ganz gut zusammen Bier trinken. Ich bemerkte, dass wir zwar vordergründig verschiedene Interessen und Prioritäten hatten, uns aber über gemeinsame Grundwerte gar nicht zu unterhalten brauchten. Das passte zu meiner großen Verwunderung einfach.

Und es machte zu meiner noch größeren Verwunderung auch nichts kaputt. Wir verstanden uns selbst in Momenten ohne Raserei – auch wenn die immer nach spätestens 20 Minuten über uns kam. Spätestens als ich am eigenen Leib spürte, wie wenig es mich kalt ließ, als es ihm mal schlecht ging, war klar:

Ich habe einen Friend with Benefits gewonnen. Zwar in eher ungewöhnlicher Reihenfolge, aber ich fand diesen Zustand perfekt.

Der Pseudorebell hat mal aufgeschrieben, wie er die folgende Ausdehnung empfunden hat. Wir fingen an, Kommunikation auf nicht körperlicher Ebene über das, was wir taten, zu pflegen. Wir trauten uns miteinander in Bereiche, die noch keiner von uns betreten hatte, weil wir in Szenarien phantasierten und diskutierten, weil wir über den grünen Klee lobten, wo Dinge gut taten, die alles andere als selbstverständlich, mainstream und common sense waren.

Ich konnte mit dem Kerl Dinge teilen, von denen ich in einigen Fällen vielleicht eine Ahnung hatte, dass ich sie mögen könnte, aber vielfach keinen Schimmer hatte, dass das gut würde. Es macht Spaß mit ihm zu experimentieren. Man kann ihn so herrlich begeistern und wird überschwänglich gelobt. Vor allem aber habe ich wenig Angst etwas falsch zu machen.

Ich habe meinen ersten Playpartner gewonnen. Es ist aufregend, es ist spannend, es ist eine Herausforderung – aber es setzt mich nie unter Druck. Das hat mir völlig neue Dimensionen eröffnet, und ich fand diesen Zustand perfekt.

Neuerdings experimentiert der Pseudorebell mit etwas, das er Flow nennt. Die Grundidee besteht darin, die Raserei zu entschleunigen, mit winzigen Gesten und Berührungen in endloser Länge auszukosten, was wir gewohnt sind in einem wildem Rausch voranzutreiben und zu konsumieren. Es ist Minimalismus, der mich erschüttert. Es berührt neue Teile von mir. Es gab für mich immer eine Domäne von Zärtlichkeit, in der er nichts verloren hatte. Und das war gut so, irgendwo im Hinterkopf zu wissen, dass es Dinge gibt, die das Paralleluniversum zu eben jenem machen, einer Nebenwelt, die nach anderen Gesetzen funktioniert und gerade deshalb so bestehen kann.

Jetzt dehnt es sich wieder aus (und das passt lustig zu meinem vorigen Post), verwirrt mich in seiner Größe; und bald werde ich es perfekt gefunden haben.

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2 Kommentare zu “Evolution

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