Diskreter Baum

Veröffentlicht 07/07/2012 von Miss Universe

Es ist schon spät an einem schönen Abend. Wir hatten einen Teil mit heftigem Sex und einen Teil mit guter Unterhaltung in einem Biergarten. Wir stehen an der Bushaltestelle, und der Pseudorebell steht so dicht vor mir, dass ich gezwungen bin ihn zu küssen oder ungläubig zu fragen: „Du willst noch einmal hinter den Baum, oder?“ Und damit ist zur Abwechslung mal nicht gemeint zum Austreten.

Er brummt zustimmend und fegt mein halbherziges Argument, es sei ja schon spät, mit einem „20 Minuten machen den Kohl nicht fett“ hinweg. Trotzdem steht er immer noch abwartend quasi auf meinen Füßen. Na, los, pack die Frau und schleif sie hinter den Baum!

Eher belustigt als erregt stolpere ich ihm hinterher in den kleinen Park unter das Blätterdach einer großen Buche. Ich bin angetrunken, ich bin müde, ich erwarte nichts mehr von diesem Abend. Aber ich bin glücklich und alles, was passiert, kann nur gut sein.

Der Pseudorebell hingegen ist klar im Abenteurermodus. Während er neulich noch mit minimaler Nacktheit arbeiten wollte – vielleicht hätte ich auch nicht so oft über meine verschmierten Klamotten schimpfen sollen – zieht er mir diesmal kurzerhand das komplette Sommerkleidchen über den Kopf und lässt es in der Dunkelheit auf einen Rucksack segeln.

Ich stehe nicht eben spät nachts in einem belebten Park unter den tief hängenden Zweigen eines großen Baumes, bekleidet nur noch mit einem BH, Stöckelschuhen und einem Höschen in den Kniekehlen. Den Hintern hoch gereckt lasse ich diesen Moment einfach geschehen, meine Finger streicheln die glatte Baumrinde.

Vielleicht sind es diverse Bier, vielleicht ist es der den Baum hechelnd umkreisende Köter oder es ist meine von der friedlichen Abendstimmung gedämpfte Schlüpfrigkeit: Der Pseudorebell ist mit seiner gewaltigen Motivation nicht sofort in mir. Damit es losgeht, muss ich mich noch einmal umdrehen und meinen immer feuchten Mund zum Einsatz bringen. Ich bin immer noch nicht unfassbar geil, aber es macht trotzdem Spaß, sich das Teil in den Kopf zu schieben – zumal der Pseudorebell ganz gegen seine Gewohnheit in öffentlichen Räumen Laute der Begeisterung ausstößt, als sich Zunge und Rachen an ihm reiben.

Wir brauchen keine zehn Sekunden – Übung zahlt sich aus – bis wir gleichzeitig zu der Überzeugung kommen, dass jetzt der richtige Moment gekommen ist. Und tatsächlich gleitet sein eingespeichelter Schwanz nun widerstandslos, wohin er gehört. Ich schwebe einen halben Meter neben mir und grinse vor mich hin, während der Hund wild schnaufend immer engere Kreise um uns zieht und seine Besitzer ihn durch immer lautere Rufe daran zu hindern versuchen, uns endgültig aufzustöbern.

Während ich mich driftend an der Gesamtsituation erfreue, gelingt es dem Pseudorebellen, sich auf seine Lust zu konzentrieren. Natürlich genieße ich ständig den absoluten Luxus, mit einem geradezu unerschöpflichen Kerl stundenlange Sessions zu erleben, in denen er mich beinahe stoisch immer und immer wieder kommen lässt, ohne selbst nachzugeben. Aber ich stehe auch unglaublich auf Augenblicke wie diesen, in dem ich den Eindruck habe, dass er sich mit ungebremster Begeisterung an mir auslebt, dass diese Nummer geil genug ist, ihm innerhalb weniger Minuten einen Orgasmus zu entlocken.

Er tut mir den Gefallen. Und wäre nicht er selbst, wenn er mich jetzt schlafen schickte. Stattdessen werde ich wieder notdürftig bekleidet und liebevoll rückwärts gegen den nächsten Baum gedrückt. Die eine Hand wandert meinen Schenkel herauf, unter Kleid und Schlüpfer, die andere an meine Brust. Es ist alles wunderschön, aber Höhepunkte kann ich heute nicht mehr. Und weil mir keine unbedingte Geilheit das Bewusstsein aussaugt, kann ich stattdessen ausnahmsweise die Augen öffnen und zusehen, wie er allen Ernstes friedlich lächelt mit dieser rasend hübschen unteren Gesichtshälfte, die ich jetzt im Close-up habe, während seine Finger über meinen Körper wandern…

Advertisements

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: