Versuchen

Veröffentlicht 08/05/2012 von Miss Universe

Eigentlich fing der Pseudorebell es schon mit seiner Frage am Anfang an: einfach mal probieren.
Seine Persönlichkeit ist diesbezüglich sowieso etwas entspannter als meine, die einen Schritt aus den bekannten Bahnen am liebsten erst unternimmt, wenn sichergestellt ist, dass er gefahrlos und erfolgreich beendet werden kann, oder es besser gleich sein lässt.
Aber in diesem Kontinuum ticken die Uhren anders und die ungebrochene Lust am Ausprobieren ist neben der eigentlichen Lust die wesentliche Triebfeder für die enorme Tragweite des Unterfangens Paralleluniversum. Sonst wäre es nach der Befriedigung der direkten Lust und der initialen Neugier auf einen anderen Körper recht schnell vorbei gewesen.

So fühle ich mich wie ein Kind (oder besser zwei) auf großer Entdeckungstour, zum einen ständig überrascht durch die aufgestöberten Schönheiten, Merkwürdigkeiten oder schlicht Wunder, zum anderen in der Geborgenheit, dass nichts wirklich Schlimmes passieren kann.

Wir zwei haben nichts zu verlieren. Alles, was wir erleben, ist Add-on zum „richtigen Leben“. Wir haben auch aneinander nicht viel zu verlieren. Ich verstehe bis heute nicht warum, aber wir kommen mit erstaunlich wenigen Missverständnissen und fast ohne Gefühlsverletzungen miteinander zurecht. Wir können wie erwachsene Menschen miteinander sprechen, aber lassen es viel lieber sein, weil erstaunlich vieles einfach so „sync“ läuft und weder äußerungs- noch erläuterungsbedürftig ist.

In diesem Spirit lässt sich so viel probieren! Kleinigkeiten wie, während ich mich die Arme nach oben reckend am Dachbalken festhalte, die Beine einfach mal um den aufrecht stehenden Mann schlingen und an ihm hochwandern lassen, bis sie auf seinen Schultern zu liegen kommen und ich wie eine pervertierte Fledermaus an den Balken geklammert waagerecht auf 1,80 m nackt im Raum hänge, sein Gesicht zwischen den Beinen. Nicht geplant, nicht bequem, aber zweifellos ein aus Übermut geborenes Bild für die Götter!

Mittlere Unterfangen wie sämtliche Orte, Praktiken und Positionen, die wir uns irgendwie vorstellen können und wie sie hier zur Genüge (nein, noch lange nicht genug!) auftauchen, weil wir sie einfach tun.

Größere Projekte wie der Threesome oder Spiele mit Macht und Schmerzen, die dann doch ein bisschen mehr Kommunikation erfordern und auch noch ein ganzes Feld zum Probieren und Dokumentieren offen lassen.

Ich mag die diversen positiven Feedbackloops, die wir etabliert haben. Sich zu erzählen, wie gut etwas tut, wenn’s gerade noch für Sprache reicht. Den Pseudorebellen für mich stöhnen hören, nur untergeordnet, weil es mir hilft mich auf seiner Erregungskurve zu verorten, vor allem, weil er weiß, wie sehr ich darauf abgehe. Ich habe mehrere Schnipsel im Kopf mit der Szene, wie er sich hinterher noch vor Orgasmusglück triefend in mein Blickfeld schiebt und mir mit einer leuchtenden Mischung aus Freude, Begeisterung und Dankbarkeit entgegen schleudert: „Das war gut!!“ Am späteren Abend oder am Morgen danach gibt es die Highlights in schriftlicher Form, die selbst in Kurzform immer noch ein Stück Blickwinkel enthalten, das man selber gar nicht hatte, und in rührender Häufigkeit den Nachsatz „geil, nochmal“. Und für kompliziertere Projekte gibt es auch zunächst die Szenarien im Kopf, um abzuklopfen, was für einen selber und den anderen funktionieren könnte.

Wenn etwas mal nicht klappt oder doch nicht so geil ist, packt mich der Pseudorebell, dreht mich in eine genehmere Position – und Thema durch.

Es ist absolut verwunderlich, wo wir mit „einfach Ausprobieren“ hingekommen sind. Es ist erstaunlich, dass wir nach gefühlt 1000 Entdeckungen den Spirit nicht verloren haben – selbst wenn es unterdessen manchmal vorkommt, dass wir in einer Session fast nur Dinge tun, von denen wir bereits wissen, dass sie geil sind, und nur kleine Zufallsentdeckungen machen. Wenn ich irgendetwas mitnehmen will in die andere Welt, dann diesen Imperativ: Versuchen!

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